Die Internet-Bewerbung: Unterschiede zu anderen Bewerbungs-Verfahren

Durch die zunehmende Verbreitung des Internets haben viele Menschen die Möglichkeit sowohl privat wie beruflich jederzeit auf das Internet zuzugreifen. Brauchte man früher noch ein Modem und wählte sich für jede Internet-Nutzung in das Netz gesondert ein, benutzen viele heute sowohl beruflich wie privat einen Daueranschluss ans Internet, privat meist mit geringen monatlichen Fixkosten.

Naheliegend ist daher, dass man das Internet auch für die Bewerbung um einen neuen Job nutzt. Allerdings verstehen die meisten unter einer Internet-Bewerbung einfach nur die Nutzung von Online-Möglichkeiten der Bewerbung. Statt wie früher die Bewerbungsmappe per Post zu verschicken, werden heute die Unterlagen am PC erstellt und als PDF-Dokument per E-Mail an den zukünftigen Arbeitgeber versandt. Dieser hat bereits Vorteile durch diese Variante von Internet-Bewerbung, wenn er die Dokumente und gezielt ausgewählte Profil-Informationen in eigene Datenbanken papierlos einfließen kann. Allerdings können viele Arbeitgeber noch nicht effektiv mit der Internet-Bewerbung umgehen und sorgen mittels Ausdruck der Unterlagen für einen Medienbruch. Problematisch für die Internet-Bewerbung bei einem solchen Arbeitgeber könnte sein, dass ein Bewerber, der herkömmlich seine Unterlagen per Post schickt, weniger Arbeit verursacht.

An diesem Beispiel ist klar, dass die Internet-Bewerbung nicht nur Vorteile haben kann. Allerdings ist die Ausdehnung des Begriffs Internet-Bewerbung auf Online-Bewerbung ohnehin problematisch, denn unter einer Internet-Bewerbung sollte man meiner Meinung nach vor allem aktive Maßnahmen des Bewerbers verstehen, die über das Internet wirksam gemacht werden.

Hier ist zunächst an Jobbörsen zu denken. Man erstellt ein Profil mit seinen beruflichen Kompetenzen und beschreibt, welche Karriereziele man anstrebt. Man hofft dann darauf, dass ein interessierter Arbeitgeber dieses Profil findet und sich bei einem meldet. Mit dieser Art der Internet-Bewerbung dreht man das Bewerbungs-Verfahren um. Jochen Mai gibt Hinweise auf eine Studie, die aufzeigt, dass dieses Bewerberverhalten immer mehr an Bedeutung gewinnt und verwendet hier den Begriff passive Bewerbung.

Denn durch diese Internet-Bewerbung wird der Arbeitgeber zum Bewerber beim Karriere-Interessierten. Vorteil des Verfahrens der Internet-Bewerbung über Jobbörsen ist, das man sein Profil anonym halten kann. Der Kontakt wird über die Datenbank der Jobbörse herstellt, die dafür sorgt, dass die E-Mail eines interessierten Arbeitgebers an den Profil-Ersteller weiter geleitet wird, ohne dass der Arbeitgeber dessen Identität oder E-Mail-Adresse erfährt.

Noch konsequenter wäre aber eine Internet-Bewerbung, wenn man die Anonymität fallen lässt und über eine eigene Website oder soziale Netzwerke wie XING seinen Karrierewunsch publiziert: Mit Name, E-Mail-Adresse und Foto. Hier muss man sich aber klar darüber werden, dass diese Strategie der Internet-Bewerbung Auswirkungen im beruflichen und privaten Umfeld hat. Der bisherige Chef nutzt vielleicht auch XING und schaut sich dort auch gerne die Profile seiner Mitarbeiter an und ist möglicherweise irritiert, wenn er diese als Internet-Bewerbung erkennen kann.

Ist man sich dieses Problems bei der Internet-Bewerbung jederzeit bewusst, dann kann man auch so verfahren, dass man auf der eigenen Website oder in eigenen Profilen bei sozialen Netzwerken zwar seine Qualifikationen und Karriereziele darstellt, aber bewusst offen lässt, ob und wie man diese erreichen will. Eine solche Internet-Bewerbung kann auch als passive Bewerbung bezeichnet werden, denn das Bewerbungsziel wird nur noch indirekt kommuniziert.

Eine solche Internet-Bewerbung kann aber jederzeit „scharf geschaltet“ – also offen kommuniziert – werden: z.B. in einem Kundengespräch oder bei einer normalen Offline- oder Online-Bewerbung durch Angabe der entsprechenden Links zur eigenen Internet-Site oder dem Internet-Profil. Die Internet-Bewerbung ohne Anonymität bietet also hohe Flexibilität, erfordert aber auch Aufwand. Eine Konsequenz ist, dass man sich stärker darüber bewusst wird, welches Eigenbild mittels der Internet-Bewerbung im Netz wirksam wird.

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