Doppelte Abiturjahrgänge schaffen Probleme

Viele Bundesländer haben ihre Gymnasien verkürzt und die Mittelstufe des Gymnasiums dauert nun nicht mehr fünf sondern vier Jahre. Diese G8-Reform (weil nun das Gymnasium keine neun, sondern nur noch acht Jahre umfasst) führt logischerweise in den nächsten Jahren zu doppelten Abiturjahrgängen, weil irgendwann mal beide Varianten des Gymnasiums an einem Zeitpunkt fertig werden. Dieser doppelte Abiturjahrgang könnte zu Problemen im Bildungswesen führen:

  • weil in einem Jahr mehr Abiturienten an die Uni drängen.
  • weil viele Abiturienten auch Lehrstellen annehmen und deren Bedarf dann in den entsprechenden Jahrgängen mit doppeltem Abitur steigt.

Die Bundesagentur für Arbeit geht davon aus, dass die Umstellung auf das achtjährige Gymnasium bis 2015 zu 275.000 zusätzlichen Studienanfängern an den Unis führt. Daher ergebe sich für viele Schüler bereits jetzt die Frage, ob sie nicht schlechtere Chancen auf einen Studienplatz haben. Bund und Länder müssten also mehr Geld in die Hand nehmen und bereits jetzt viele neue Studienplätze schaffen.

Kleinere Bundesländer haben bereits jetzt doppelte Abiturjahrgänge. 2011 wird es dann noch enger, wenn Bayern und Niedersachsen doppelte Abiturjahrgänge bekommen. Und die restlichen Bundesländer folgen anschließend. Ob und wie die Mehrausgaben von Bund und Ländern ausreichen, die zusätzlichen Ansturm auf die Unis zu bewältigen, bleibt abzuwarten. Denn diese haben bereits jetzt Probleme, ausreichende Übergangsmöglichkeiten für die Studenten zu sichern, die von einem erfolgreichen Bachelor-Abschluss auf den Master wechseln wollen. Unklar ist auch, im welchem Umfang die doppelten Abiturjahrgänge auf dem Lehrstellenmarkt wirksam werden. Auf rs-personalservice wird berichtet, dass gegenwärtig zwar die Lage auf dem Lehrstellenmarkt relativ entspannt ist, dass aber in den nächsten Jahren durch doppelte Abiturjahrgänge neue Belastungsfaktoren auftreten könnten.

Für Abiturienten, die jetzt oder in absehbarer Zeit studienberechtigt werden, sollte es aber keine Option sein, über eine Lehrstelle eine Zwischenstufe einzuschlagen; denn wer jetzt oder im nächsten Jahr ein Studium beginnen kann, der steht noch vor der großen Welle der doppelten Abiturjahrgänge.

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