Erfolg anonymer Bewerbungen bleibt umstritten

Seit langem ist bekannt, dass Fotos und Namen in Bewerbungsverfahren eine wichtige Rolle spielen. Obwohl das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) in Deutschland Diskriminierungen auf Grund des sozialen Hintergrunds ausschließt, ist doch davon auszugehen, dass Personalverantwortliche den Migrationshintergrund oder andere soziale Handikaps bei einer Bewerbung bewusst oder unbewusst berücksichtigen.

Deshalb wurde die Idee der anonymen Bewerbung entwickelt, die demnächst auch in Deutschland getestet wird. Durch eine anonyme Bewerbung ohne Foto und ohne Namensangabe soll sichergestellt werden, dass die Personalverantwortlichen ohne Vorurteile zunächst über die Bewerbungen entscheiden. Genau genommen soll bei der anonymen Bewerbung weder der Name, noch das Alter, auch kein Geburtsort, kein Foto und auch kein Familienstand übermittelt werden. Damit könnten mehr Bewerber mit Migrationshintergrund oder Bewerber mit zu hohem Alter die erste Runde im Bewerbungsverfahren erreichen. Ob dieses Verfahren über anonyme Bewerbungen ausreicht, um jede Diskriminierung im Bewerbungsverfahren zu unterdrücken, bleibt aber umstritten.

Nun wurden die Ergebnisse einer Untersuchung der Jobplattform Monster bekannt, die aufzeigt, dass die Arbeitnehmer die Chancen für eine anonyme Bewerbung eher kritisch sehen. 60 % glauben nicht daran, dass man über eine anonyme Bewerbung die Chancengleichheit verbessern könnte. Bezogen wurde diese Aussage auf Verbesserungen der Chancen durch anonyme Bewerbungen, bei denen weder das Alter, noch die Herkunft dem Einstellenden direkt oder indirekt bekannt werden.

Für die meisten Arbeitnehmer wäre damit die anonyme Bewerbung überflüssig. Die Begründung hierfür ist recht simpel: Die entsprechenden Informationen würden ja in den weiteren Schritten des Bewerbungsverfahren bekannt, wenn es nicht mehr möglich sei, das Alter oder den Namen des Bewerbers anonym zu halten. Jochen Mai berichtet ergänzend, dass die anonyme Bewerbung in der Wirtschaft auch umstritten ist. Mehraufwand und Kosten der anonymen Bewerbung würden kaum den geringen Effekt rechtfertigen können.

Allerdings ist die Sichtweise nicht unumstritten. Der Vorteil der anonymen Bewerbung ist es, die ersten Schritte des Bewerbungsverfahrens diskriminierungsfrei zu halten. Hat es der Bewerber erstmal ins Vorstellungsgespräch geschafft, dann kann er mit seiner persönlichen Qualifikation und dem professionellen Auftreten Vorteile abwehren, die ihn sonst gar nicht hierhin gebracht hätten. Außerdem tritt ein Name oder das Alter dann in den Hintergrund, wenn das Bewerbungsgespräch gut läuft und der Personalverantwortliche erkennen kann, dass der Bewerber gut ins Unternehmensumfeld passt. Es bleibt also abzuwarten, wie erfolgreich der konkrete Test zur anonymen Bewerbung ausfällt.

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