Erreichbarkeit wird für Arbeitsverträge immer wichtiger

Angesichts der immer breiter werdenden Möglichkeit von Internet und Telekommunikation wird Erreichbarkeit zum Top-Thema auch bei der Mitarbeiterauswahl und beim Mitarbeitereinsatz. Selbständige kennen das schon länger: Von ihnen wird eine Erreichbarkeit erwartet, wenn der Kunde oder Auftraggeber schnell Veränderungswünsche in Projekte einbringen will. Doch auch von vielen Mitarbeitern wird diese ständige oder teilweise Erreichbarkeit vorausgesetzt, ohne das die hierbei notwendigen arbeitsrechtlichen oder vertraglichen Konkretisierungen vorgenommen werden. Das ist dann nicht anders als bei Selbständigen, die auch wenige Möglichkeiten der Einschränkung bei der Erreichbarkeit haben, wenn Erreichbarkeit rein informell und ad-hoc eingefordert wird. So meldete kürzlich der Bundesverband der Informationswirtschaft, dass zwei Drittel aller Arbeitnehmer über eine ständige oder vorübergehende Erreichbarkeit ansprechbar sind. Vielen ist nicht klar, dass diese zusätzliche Anforderung von Erreichbarkeit langfristig erhebliche Probleme nach sich ziehen kann.

Schon am Anfang einer Vertragsbeziehung sollte man (egal ob man Arbeitnehmer oder Selbständiger ist) darauf achten, dass die Zeiten der Erreichbarkeit klar definiert sind. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass man den Vertragspartner darauf verweist, dass es mit E-Mail und SMS „asynchrone“ Formen von Erreichbarkeit gibt. Hierbei legt man den Zeitpunkt der Reaktion auf den Erreichbarkeits-Wunsch selbst fest. Um dieses Modell der Erreichbarkeit zu sichern, kann man auch automatische Antwort-Mails verwenden, in denen die eigentliche Antwort auf den nächsten Arbeitstag verschoben wird.

Bei Arbeitsverträgen kann Erreichbarkeit als „Rufbereitschaft“ ausgestaltet sein, wie der it-vergabe-blog.de bereits letztes Jahr ausgeführt hat. Daraus folgt, dass der Arbeitgeber aus der gelegentlichen und informellen Erreichbarkeit eine mit Arbeitszeit verbundene Arbeitsleistung hervorruft, die einerseits zu vergüten ist und auf die anderseits arbeitsrechtliche Regeln (wie sie sich aus dem Arbeitszeitgesetz ergeben) anzuwenden sind.

Man sieht, dass Erreichbarkeit von informeller Ad-hoc-Haltung zum verpflichteten Bestandteil des Vertrages werden kann. Solche „naturwüchsigen“ Entwicklungen der Erreichbarkeit  sollte man beizeiten erkennen und durch formelle Regelungen der Erreichbarkeit für beide Seiten transparent werden lassen.

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