Pisa-Studie Deutschland 2010: geringe Fortschritte

Offiziell ist sie noch nicht draußen: die aktuelle Pisa-Studie zur Leistung deutscher Schüler. Aber bereits im Vorfeld der Veröffentlichung melden viele Medien Ergebnisse der aktuellen Pisa-Studie, die darauf hinauslaufen, dass sich zwar etwas die Leistung der deutschen Schüler verbessert hat, dass aber insgesamt der Rückstand deutscher Schüler zu anderen Ländern kaum geringer geworden ist. Auch die strukturellen Gründe für die Schwäche deutscher Schüler gelten unverändert weiter.

Die erste Pisa-Studie aus dem Jahre 2000 war damals ein bemerkenswertes Ereignis, denn die unabhängigen Forscher der OECD (internationale „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung „) zeigten auf, dass Deutschland im hinteren Mittelfeld bei den Schülerleistungen war. International verglichen wurde die Lese- und Rechen-Kompetenz der Schüler am Ende der Sekundarstufe I, also zu einem Zeitpunkt, bei dem viele wenig später eine Berufsausbildung beginnen oder über den Weg Richtung Hochschule entscheiden.

Diese Schüler repräsentieren das zukünftige Bildungskapital Deutschlands und die damalige Pisa-Studie zeigte klar auf, dass deutsche Schüler im Vergleich zu vielen anderen Ländern ein schlechteres Leseverständnis haben und im geringeren Umfang fähig sind, alltägliche Rechenaufgaben zu lösen. Ob sich das inzwischen wenigstens so geändert hat, dass die deutschen Schüler den Durchschnitt überschreiten, was man gelegentlich als Kriterium anlegt,  wird sich bei der genauen Analyse der aktuellen Pisa-Studie noch zeigen müssen.

Viele Akteure im Bildungssystem wollen die bisher schlechten Resultate kaum glauben und bezweifeln bis heute diese Ergebnisse der Pisa-Studien. Nach wie vor glauben sie daran, dass die frühe Differenzierung in Deutschland (immer noch oft ab Klasse 5) besonders geeignet wäre, die optimale Verteilung der Schüler hinsichtlich ihrer Bildungspotentiale sicher zu stellen. Diese Einschätzungen wurden aber durch die Verantwortlichen der Pisa-Studien hinterfragt, denn nach deren Einschätzung sind die frühe Trennung der Schüler und die damit verbundene soziale Auswahl für das schlechte Ergebnis der deutschen Schüler bei ihren Lese- und Rechen-Fähigkeiten verantwortlich.

Diese Erklärung ist auch leicht nachvollziehbar. Denn wenn die frühe und sozial bestimmte Auswahl dazu führt, dass viele Schüler in die falschen Bildungsgänge der Sekundarstufe I geschickt werden, dann ist es nicht verwunderlich, dass am Ende der Sekundarstufe I keine guten Durchschnittsleistungen erzielt werden können.

Es gab mehrere weitere Pisa-Studien im letzten Jahrzehnt und weitere Studien, die aber den erkannten Trend der Pisa-Studie 2000 nicht in Frage stellen konnten. So ist es wohl auch bei der neuesten Pisa-Studie. Allerdings hat sich der Abstand der deutschen Schüler zur Spitzengruppe etwas vermindert. Das insgesamt schlechte Ergebnis der aktuellen Pisa-Studie kann leider nicht überraschen, denn das deutsche Schulsystem ist wegen des Förderalismus sehr schwerfällig. Und einzelne Bundesländer (wie zuletzt Hamburg), die im Sinne der Pisa-Studie die soziale Auswahl vermindern und den Schülern eine spätere Berufs- und Bildungsentscheidung ermöglichen wollen, können allzu leicht über starke Lobbygruppen ausgebremst werden.

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