Studentenstreik und Verschulung des Studiums

Innerhalb der letzten Wochen waren die Studentenstreiks an den deutschen Hochschulen ein breites Thema innerhalb der Medien. Während früher die Streiks der Studenten oder andere Protestmaßnahmen an den Hochschulen kaum wahrgenommen wurden, ist das jetzt anders, möglicherweise auch, weil die Verschulung der Hochschulbildung inzwischen sehr kritisch gesehen wird.

Grund für die Verschulung und die damit verbundenen Studentenproteste ist der sogenannte Bologna-Prozess. Die früher sehr langwierigen Studienprozesse wurden durch ein Aufbau-Studium ersetzt. Während ein kurzes Bachelor-Studium eine breite Basis für beruflichen Einstieg legen sollte, kann die akademische Bildung hauptsächlich über darauf aufbauende Master-Studiengänge erreicht werden. Die Bachelor-Studiengänge sind aber in den 6 Semestern nur zu schaffen, wenn die Studieninhalte verschult werden. Die Studenten haben Anwesenheitszeiten an der Uni von mehr als 30 Stunden pro Woche und müssen sich sehr häufig studienabschlussrelevanten Prüfungen unterziehen. Das Studium zum Bachelor-Abschluss ähnelt daher eher einer schulischen Ausbildung und weniger einem Studium.

Neben dieser Verschulung (und dem Stress des sehr kurzfristig angelegten Studiums) sorgen Aufnahmesperren beim Master für weiteren Ärger. Denn diesen Studienabschluss bekommen nur die Studenten, die gute Noten vorlegen können. Da die Wirtschaft bisher die Bachelor-Abschlüsse nicht als vollwertiges Studium anerkennen will, entstehen jetzt für viele Studenten Existenzsorgen, wenn sie die Hürde zum Master nicht nehmen können.

Angesichts dieser Kritik lassen sich Wissenschaft und Politik auf eine Reformen-Diskussion ein. Möglicherweise sollen die Bachelor-Studiengänge längere Laufzeiten haben, damit die Verschulung zurückgehen kann. An eine Aufgabe des zweistufigen Bologna-Prozesses denkt aber niemand, da dieses Konzept auch europäisch verankert ist.

Damit die Inhalte des Studiums besser auf die Bedürfnisse der Studierenden abgestimmt werden können, greifen mache aber auch ältere Ideen auf, die unter dem Stichwort „Mitbestimmung“ laufen. So wurde bei Spreeblick gefordert, dass man den Studenten mehr Mitwirkungsmöglichkeiten bei den zu vermittelnden Inhalten geben sollte. Schließlich seien die Studenten keine Kinder mehr und hätten selbst viele Kompetenzen, die Inhaltsplanung des Studiums mitzubestimmen.

Es wird sich zeigen, ob die Kritik am Bologna-Prozess anhält und zu Reformen bei den Studieninhalten der Bachelor-Studiengänge führen. Ebenfalls nach wie vor sehr unzureichend gelöst ist auch die Finanzierung des Studiums für die Studenten.

5 Antworten auf „Studentenstreik und Verschulung des Studiums“

  1. Also ich hatte das Glück, noch einen guten alten Magister abschließen zu können. Denn wenn ich jetzt Leute in meinem Umfeld sehe, die sich mit dem Bachelor rumschlagen müssen, da wir einem schon anders. Zeit zur Finanzierung des Studiums per Nebenjob usw. bleibt da eigentlich kaum noch.

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