Teilzeitbeschäftigte werden schlechter bezahlt

Insbesondere bei Männern gibt es viele Vorbehalte gegenüber eine dauerhaften oder vorübergehenden Teilzeitbeschäftigung. Oft gehörtes Argument gegen eine Teilzeitbeschäftigung sind Karriere-Nachteile. Nun hat eine Untersuchung des Wirtschafts- undSozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung aber einen weiteren Grund offenbart, warum man gegen eine Teilzeitbeschäftigung sein kann: Teilzeitbeschäftigte werden für pro Stunde gerechnet deutlich schlechter bezahlt.

Da Frauen oft Teilzeitbeschäftigung anstreben, wäre diese Schlechterbezahlung der Teilzeitarbeit allerdings auch ein Problem für die berufliche Gleichstellung von Frauen. Sabrina Schmalisch macht in ihren Blog darauf aufmerksam, dass Frauen oft Teilzeit anstreben, weil sie meinen, so besser den Ansprüchen aus Familie und Beruf gerecht zu werden.

Die Untersuchung zur Schlechterbezahlung der Teilzeitarbeit beruht auf einer repräsentativen Haushaltsbefragung. So bekommen in Westdeutschland Frauen in Teilzeitbeschäftigung im Durchschnitt etwa 2,50 Euro weniger pro Stunde als vollbeschäftigte Arbeitnehmerinnen. Bei Männern war die entsprechende Vergleichsgröße noch größer, wenn man auch bedenken muss, dass Männer in Westdeutschland nur mit einer geringen Quote Teilzeitbeschäftigung ausübt. Demgegenüber sind die Unterschiede im Stundenlohn in Ostdeutschland deutlich geringer. Hier liegen die teilzeitbeschäftigten Männer nur knapp (30 Cent) und die Frauen ca. 80 Cent in den Stundenlöhnen schlechter als die Vollzeitbeschäftigten.

Da das Teilzeit- und Befristungsgesetz eine schlechtere Bezahlung von Mitarbeitern verbietet, die von Vollzeit auf Teilzeit wechseln, ist der festgestellte Lohnunterschied zu erklären. Die Autoren der Studie haben untersucht, wie sich die Differenzen in der Bezahlung erklären lassen, und haben hierzu eine Vielfalt von Indikatoren wie Ausbildung, Berufserfahrung, Branche und Betriebszugehörigkeit in den Blick genommen. So wirkt sich eine lange Betriebszugehörigkeit dämpfend auf den Lohnunterschied aus. Relativ stark steigen aber die Bezahlungsunterschiede der Teilzeitarbeit mit der Qualifikation an. Je besser ein Beschäftigter qualifiziert ist, desto eher muss er mit überproportionalem Einkommenskürzungen rechnen, wenn er eine Teilzeitbeschäftigung ausüben will. Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass Arbeitgeber geneigt sind, die Kosten einer Teilzeitbeschäftigung auf die betreffenden Mitarbeiter abzuwälzen.

Die Ergebnisse der Studie zur schlechteren Bezahlung von Teilzeitarbeit kann aber auch so gedeutet werden, dass viele Arbeitgeber in Deutschland noch nicht das Potential von Teilzeit für ihre Unternehmen erkannt haben. Denn Teilzeitbeschäftigte erbringen oft eine höhere Leistung als Vollzeitbeschäftige in gleicher Zeit, weil sie stärker motiviert sind und typische Leerlaufzeiten vermeiden.

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