Der „Idiotentest“ oder die Medizinisch-Psychologische Untersuchung kommt auf den Prüfstand

„Idiotentest“ klingt nicht gut, doch in der Umgangssprache der Autofahrer konnte sich die offizielle Bezeichnung Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) nicht so recht durchsetzen. Es geht beim Idiotentest um eine solche medizinisch-psychologische Untersuchung, die Autofahrer zu bewältigen haben, wenn man ihnen den Führerschein entzogen hat und die Führerscheinstelle zur Wiedererlangung die charakterliche Prüfung der Eignung zum Autofahren angeordnet hat. Meist müssen Autofahrer diesen Idiotentest machen, weil sie mehrfach mit Alkohol am Steuer erwischt wurden. Dann sollen sie im Idiotentest dem Psychologen deutlich machen, dass in Zukunft solches Fehlverhalten nicht mehr von ihnen zu erwarten ist.

Der Begriff Idiotentest ist mehrfacher Hinsicht fehlerhaft, „Der „Idiotentest“ oder die Medizinisch-Psychologische Untersuchung kommt auf den Prüfstand“ weiterlesen

Bildungsprämie vom Staat: Jetzt 500 Euro statt 154 Euro für die eigene Weiterbildung

Nach wie vor wird die Weiterbildung während und nach der Arbeit staatlich gefördert. Nun gelten ab 1.1.2010 für die Bildungsprämie deutlich höhere Zuschüsse. Bereits vor einigen Monaten hatte ich hier auf dir-Info über die Möglichkeiten der Bildungsprämie informiert. Offensichtlich ist die Bundesregierung mit den bisherigen Ergebnissen nach der Einführung verschiedener Förderungen für Weiterbildung nicht zufrieden. So wurden die Möglichkeit der Verbindung von Kurzarbeit und Weiterbildung kaum genutzt.

Mit der Bildungsprämie werden Arbeitnehmer gefördert, die ihre berufliche und persönliche Weiterentwicklung nach vorne bringen wollen. Der Förderungsbetrag wird von knappen 154 Euro auf deutliche 500 Euro erhöht. „Bildungsprämie vom Staat: Jetzt 500 Euro statt 154 Euro für die eigene Weiterbildung“ weiterlesen

Zusatzbeitrag Krankenkasse: Alternativen recherchieren – Spartarife nutzen

Diese Woche ist gekennzeichnet durch immer mehr Meldungen über die Erhebung vom Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenkasse. Damit wird eine zusätzliche Kostenbelastung für viele Mitglieder der gesetzlichen Krankenkasse wirksam, die bisher nur eine theoretische Möglichkeit aus der letzten Gesundheitsreform mit Einführung des Gesundheitsfonds war.

Der Gesundheitsfond hatte dazu geführt, dass der Beitragssatz für die gesetzliche Krankenkasse vereinheitlich wurde. Sollte dieser Beitragssatz und die zusätzlichen Zahlungen aus dem Gesundheitsfond für eine einzelne Krankenkasse nicht ausreichen, dass hätte diese die Möglichkeit, einen Zusatzbeitrag von ihren Mitgliedern zu erheben: Der Zusatzbeitrag könnte bis zu 8 Euro pro Monat oder bis zu 1% der Bruttoeinnahmen betragen. Nun kündigen immer mehr Krankenkassen an, dass sie den pauschalen Zusatzbeitrag erheben werden, meist direkt mit dem Maximalbeitrag von 8 Euro. Experten gehen davon aus, dass früher oder später fast alle Krankenkassen sich diesem Trend zum Zusatzbeitrag anschließen müssen. Von Seiten der Politik ist auch keine Hilfe zu erwarten, denn die neue Regierung fördert langfristig die Einführung einer „Kopfpauschale“ in der gesetzlichen Krankenversicherung. Der Zusatzbeitrag von 8 Euro ist schon der Einstieg in eine Kopfpauschale bei der gesetzlichen Krankenversicherung.

Mit der erstmaligen Einführung  eines Zusatzbeitrags hat man aber als Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse die Möglichkeit, zu einer anderen zu wechseln. Ob man aber vom dieser Möglichkeit zum Wechsel der Krankenkasse Gebrauch machen will, sollte man sich gut überlegen, denn man verliert die gewohnten Ansprechpartner. Allerdings macht es Sinn zu recherchieren, ob es nicht andere Möglichkeiten der Einsparung bei der Krankenkasse gibt. Das Nachrichtenmagazin Focus hat diese Woche einen umfassenden Vergleich der Krankenkassen veröffentlicht, bei dem man nicht nur ablesen kann, welche Krankenkasse demnächst einen Zusatzbeitrag erheben wird. Focus macht auf zwei Varianten aufmerksam, wie man seine Beiträge zur Krankenkasse absenken und damit den Zusatzbeitrag bekämpfen kann:

  • Spar-Tarif der jeweiligen Krankenkasse mit Selbstbehalt
  • Spar-Tarif der jeweiligen Krankenkasse mit Beitragsrückerstattung.

Beide Varianten zur Einsparung bei der gesetzlichen Krankenkasse sind sinnvoll für Mitglieder, die eher selten zum Arzt gehen wollen. Denn diese Zurückhaltung fördert die Krankenkasse durch einen geringen Beitrag, der entweder von vorherherein gewährt oder nachträglich zurückgezahlt wird. Von Vorteil dabei ist, dass Vorsorgeuntersuchungen der Krankenkasse hiervon nicht betroffen sind. Im Gegenteil, wer alle Vorsorgeuntersuchungen nutzt, der hat weniger Selbstbehalt gegenüber der Krankenkasse zu tragen, als der, der überhaupt keine medizinischen Leistungen beansprucht.

Man sollte also die Mitteilung seiner Krankenkasse zur Einführung vom Zusatzbeitrag nutzen, um sich über diese Alternativen Gedanken zu machen und seine Krankenkasse gezielt nach  einem Spartarif zu fragen. Wenn ein Spartarif der aktuellen und zukünftigen Lebenssituation entgegenkommt, dann macht es auch Sinn nach Einführung eines Zusatzbeitrags die gesetzliche Krankenkasse zu wechseln: zu einer Krankenkasse, die (mit oder ohne Zusatzbeitrag) eine Möglichkeit der Beitragserstattung anbietet.

Die Umkehrhypothek als Immobilien-Rente nutzen

In Deutschland ist die Umkehrhypothek bisher noch nicht sehr bekannt. Die Umkehrhypothek funktioniert deshalb umgekehrt zu einer normalen Hypothek, weil dem Immobilien-Besitzer regelmäßig Geld ausgezahlt wird. Bei der normalen Hypothek zahlt der Immobilien-Besitzer Geld für einen Kredit, den er dafür bekommen hat, dass er die Immobilie kaufen konnte.

Bei der Umkehrhypothek wird von einem Kreditinstitut ein Kredit aufgenommen, der aber nicht als Einmalbetrag ausgezahlt wird, sondern als monatliche Ratenzahlung, die bis zum Lebensende gewährt wird. „Die Umkehrhypothek als Immobilien-Rente nutzen“ weiterlesen

Bilanz von Hartz IV: Aktivierungsmaßnahmen als Weiterbildung unterschiedlich erfolgreich

Fünf Jahre nach den Hartz IV-Reformen wäre es mal an der Zeit, sich über die Erfolge des Projekt Gedanken zu machen. Dies findet auch gegenwärtig statt, doch eine klare Tendenz ist nicht zu erkennen. Das liegt zum einen daran, dass die Arbeitslosenzahl auch bedingt durch die Wirtschaftskrise kaum die Chance hatte, deutlich niedriger als zu Beginn der Hartz-Reformen auszufallen. Dort waren immerhin bis zu 50 % niedrige Arbeitslosenzahlen angepeilt worden, möglicherweise ein Ziel das nicht aufgehen konnte. Anderseits ist es in den ersten Jahren gelungen, die Zahl der Arbeitsplätze im ersten Arbeitsmarkt zu erhöhen. Der erste Arbeitsmarkt sind die sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer. Strittig ist allerdings, ob diese Jobs ausreichend langfriste Lebensgestaltung lassen. Denn viele neue Arbeitsplätze sind befristet und/oder Teilzeitarbeitsplätze.

Beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg, hat man sich bereits Ende des letzten Jahres Gedanken darüber gemacht, ob denn die verschiedenen Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich der Hartz IV-Empfänger die Ansprüche auf „Fördern und Fordern“ erfüllen können (siehe Kurzbericht des IAB). „Bilanz von Hartz IV: Aktivierungsmaßnahmen als Weiterbildung unterschiedlich erfolgreich“ weiterlesen

Coaching statt Seminar: Der neue Trend der Weiterbildung?

Unter Weiterbildung wird immer noch sehr stark das Seminar verstanden. Eine kleine oder größere Gruppe von Seminar-Teilnehmen gruppieren sich um einen gut informierten Dozenten, der dann die Gruppe und jeden Einzelnen durch das Seminar nach vorne bringt. Schon vor einigen Jahren ist dieses Konzept durch E-Learning in die Kritik gekommen. Mit E-Learning gelinge es besser, die Unterschiedlichkeit der Seminar-Teilnehmer zu berücksichtigen, denn diese könnten im gewissen Rahmen die Zeit und die Art der Seminar-Nutzung selbst bestimmen. Die Aussage, dass durch E-Learning das herkömmliche Seminar überwunden wird, hat sich aber bisher noch nicht bestätigt. Denn die Verschiebung der Kommunikation auf elektronische Systeme verhindert auch die notwendige Face-to-Face-Kommunikation, ein starkes Mittel zur Förderung des Lernprozesses beim Seminar.

Nun gibt es als neuen Trend das Coaching, das auch das Seminar überflüssig machen soll. „Coaching statt Seminar: Der neue Trend der Weiterbildung?“ weiterlesen

Schäden durch Frost in der Wohnung – Probleme mit der Versicherung bei Fahrlässigkeit

Leider kommt es an Tagen mit starkem Frost immer mal wieder vor, dass die Heizung einfriert. Das kann auch damit zusammenhängen, dass in einem bestimmten Zimmer aus Spargründen, die Heizung komplett abgestellt wurde oder dass man bei einer längeren Abwesenheit vergessen hatte, ein Fenster zu schließen. Insbesondere „Winter-Flüchtlinge“ konnten nach Rückkehr aus dem warmen Süden vom kalten deutschen Frost überrascht werden.

Das Einfrieren ist aber kein großes Problem, wenn man umsichtig vorgeht. Schlecht ist allerdings, wenn ein Heizungsrohr geplatzt ist und damit einen großen Schaden an Haus oder Wohnung verursacht hat. Probleme mit der zuständigen Versicherung (Gebäudeversicherung und/oder Hausratversicherung) können dann entstehen, wenn diese zur Einschätzung kommt, dass das Verhalten des Kunden fahrlässig war, er also mitverantwortlich für den Schaden ist. „Schäden durch Frost in der Wohnung – Probleme mit der Versicherung bei Fahrlässigkeit“ weiterlesen

Coworking: der neue Trend zum gemeinsam Arbeiten

Zu Hause in Ruhe seine Arbeit zu erledigen: Das ist der Traum vieler, die gerne Arbeit, Freizeit und Familie in Einklag bringen wollen. Doch zu Hause droht beim Arbeiten auch Ablenkung und Vereinsamung. Deshalb zieht es viele mit dem Notebook in Cafés und zum Hotspot. Damit ist der erste Schritt zum Coworking, zum gemeinsam Arbeiten, getan. Coworking als neuer Trend geht aber noch viel weiter. „Coworking: der neue Trend zum gemeinsam Arbeiten“ weiterlesen

Sind gelbe Tonne und grüner Punkt bald am Ende?

In keinem anderen europäischen Land steht das Recycling so im Focus des öffentlichen Interesses wie in Deutschland. Das liegt zum Teil auch an der gelben Tonne, die in Städten und Gemeinden kaum zu übersehen ist.  Die gelbe Tonne und der grüne Punkt stehen für ein ausgeklügeltes System der Abfallverwertung. Bestimmte Verpackungen sollen, dürfen und müssen mit einem grünen Punkt gekennzeichnet werden, der dann zu einer Abführung von Lizenzgebühren der Hersteller der Produkte an die „dualen Systeme“ in Deutschland führt, damit diese die Verpackungen über die gelbe Tonne (und den gelben Sack) wieder einsammeln und verwerten können.

Das System mit grüner Punkt und gelber Tonne kann aber nur funktionieren, wenn „Sind gelbe Tonne und grüner Punkt bald am Ende?“ weiterlesen

Steuerliche Absetzbarkeit von Dienstreisen mit Privatanteil verbessert

Viele Dienstreisen werden gerne um einen privaten Anteil erweitert. Wenn man als Dozent zu einer Seminarwoche nach Mallorca reist, dann hängt man vielleicht das Wochenende noch an und nutzt damit den Gesamtaufenthalt als Dienstreise, die aber einen privaten  2/7-Anteil hat. Bisher konnte allerdings dieses Vorgehen, Dienstreisen mit Privatreisen zu verbinden, Probleme mit dem Finanzamt schaffen. Zwar wurden alle Kosten, die der Dienstreise eindeutig zuordenbar war (wie die Übernachtung und die Verpflegungskosten am Seminarort) als Werbungskosten anerkannt. Aber die Kosten für die Reise selbst konnte nicht einfach auf einen privaten und einen dienstlichen Anteil aufgeteilt werden.

Grund für diese bisher sehr restriktive Haltung des Finanzamtes ist das sogenannte Aufteilungsverbot. Dieses verbietet die anteilige Anrechnung von Betriebskosten, wenn diese nicht einfach und nachvollziehbar trennbar sind. Die bisherige Argumentation der Finanzämter wäre also darauf hinaus gelaufen zu sagen, dass man die Kosten für eine Reise nicht einfach auf einen betrieblichen und privaten Anteil aufteilen kann. Grundsätzlich sorgt das Aufteilungsverbot dafür, dass ein deutlicher privater Anteil an teilweise betrieblich veranlassten Kosten, diese vollständig als Betriebskosten ausschließt.

Nun hat der Bundesfinanzhof eine deutlich steuerfreundliche Entscheidung möglich gemacht: „Steuerliche Absetzbarkeit von Dienstreisen mit Privatanteil verbessert“ weiterlesen

Neues Erbrecht seit dem 1. Januar 2010

Politisch war das neue Erbrecht umstritten. Doch schließlich gelang es einer großen Mehrheit im Bundestag und Bundesrat die neue gesetzliche Regelung beim Erbrecht für den 1.1.2010 wirksam zu machen. Die Neuregelung beim Erbrecht war dringend nötig, denn seit mehr als 100 Jahren haben sich die Rahmenbedingungen beim Erben so weit verändert, das man mit dem neuen Erbrecht endlich auf die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen reagiert hat. „Neues Erbrecht seit dem 1. Januar 2010“ weiterlesen

Wie geht man als Bewerber mit einer Karrieremesse um?

Am 12.1.2009 war es mal wieder soweit, die Karrieremesse in Düsseldorf öffnete ihre Türen. Hinter der findigen Idee der Karrieremesse steckt ein Veranstalter der nicht nur in Düsseldorf regelmäßig tätig wird. Zweck einer Karrieremesse ist das Zusammenführen von Bewerbern und Arbeitgebern, das schnelle Ermöglichen von Kommunikation und das Finden von Jobalternativen vor allem im Management und bei Akademikern. Im NRW-Forum wurde die optimistische Aussage getroffen, dass 2000 Jobs auf der Karrieremesse in Düsseldorf offeriert werden.

Der Besuch der Karrieremesse ist kostenlos aber hier werden dann auch bezahlte Dienste angeboten, die aber im Einzelfall nicht teuer sein müssen. „Wie geht man als Bewerber mit einer Karrieremesse um?“ weiterlesen

Einige Tipps und Tricks, um Online-Businessnetzwerke zur Job-Findung zu nutzen

Online-Business-Netzwerke sind Plattformen wie XING und  LinkedIn, bei denen – anders als bei den eher im Privatbereich angesiedelten sozialen Netzwerken wie MySpace oder Facebook – der geschäftliche Kontakt im Vordergrund steht. Online-Business-Netzwerke dienen aber nicht in erster Linie der Job-Findung, sondern dem gemeinsamen Interessenaustausch. „Erst geben, dann nehmen“, so lautet die Basisbotschaft an die Mitglieder. Wenn diese eine eher traditionelle Form der Akquise (auch bei der Job-Findung) versuchen, dann bekommen sie schnell Hinweise, dass es so nicht geht. Wer aber mit Fachkompetenz sich an den verschiedenen Dialogformen beteiligt, der hat durchaus gute Aussichten, positiv in Online-Business-Netzwerken wahrgenommen zu werden. „Einige Tipps und Tricks, um Online-Businessnetzwerke zur Job-Findung zu nutzen“ weiterlesen

Rechtliche und steuerliche Aspekte der Wohnungsvermietung für Langzeiturlauber

Nicht alle finden den Winter toll und billiger könnte ein Langzeiturlaub im warmen Süden auch kommen. Denn bereits für deutlich unter 500 Euro bekommt man günstige Wohnungen mit viel Komfort auf den kanarischen Inseln oder im südlichen Asien. Voraussetzung ist natürlich, dass man für Jobzwecke nicht in der kalten Heimat bleiben muss. Dieses Privileg haben nicht nur die Rentner und Pensionisten, auch viele Internet-Worker, die für ihren Job nur einen regelmäßigen Netzzugang brauchen. Und den bekommt man weltweit, zur Not über ein Internet-Cafe. Von Frühling bis Herbst ist man dann wieder zu Hause.

Optimal wird eine solche Strategie, wenn man die eigene Wohnung (mit Möbeln, Strom und Heizung) während seines Langzeiturlaubs weiter vermietet. „Rechtliche und steuerliche Aspekte der Wohnungsvermietung für Langzeiturlauber“ weiterlesen

Braucht das „unternehmerische Selbst“ den perfekten Lebenslauf?

Bewerbungsratgeber formulieren häufig die Anforderung des perfekten Lebenslaufs, weil sie davon ausgehen, dass auch die Personalchefs bei der Durchsicht der Bewerbungsunterlagen sehr schnell Bewerber mit Brüchen in der Biographie aussortieren. Dabei sorgen biographische Wechsel für die Festigung und Entwicklung der Persönlichkeit und es ist die Frage, ob die Unternehmen mit angepassten Bewerbern, die schnittig vom perfekten Abitur zum perfekten Hochschulabschluss voran gekommen sind, wirklich die besten Anwärter für die neunen Job gefunden haben. Doch der perfekte Lebenslauf ist dann ein naheliegendes Auswahlkriterium, wenn es wie in den Zeiten der Krise eine Vielzahl von Bewerbern für die offenen Stellen gibt. Dann schaut man auch sehr genau auf Praktika und Referenzen, die genau passend zu den Ausschreibungen bestimmt werden.

Auch bei den Anforderungen für Existenzgründer ist man schnell bei der Hand, einen perfekten Lebenslauf zu verlangen. Zum perfekten Lebenslauf passt dann das „unternehmerische Selbst“. Es geht darum, dass man die eigene Biografie nicht erlebt und erleidet, sondern aktiv gestaltend mit einer engen Zielperspektive steuert. „Braucht das „unternehmerische Selbst“ den perfekten Lebenslauf?“ weiterlesen

Speed-Coaching: der neue Trend beim Coaching?

Coaching ist ein Schlagwort, das in den letzten Jahren stark an Popularität gewonnen hat, weshalb wir hier bei dir-Info auch einiges zum Thema Coaching geschrieben haben. Während es früher nur darum ging, Spitzenkräfte im Sport mittels Coaching nach vorne zu bringen, machen inzwischen viele normale Arbeitnehmer und Selbständige von der Möglichkeit des Coachings Gebrauch, um ihre beruflichen oder privaten Kompetenzen zu erweitern. Oft werden nur relativ einfach formulierte Fragen im Coaching-Prozess aufgeworfen, die aber eine umfassende Analyse und Strategie erfordern würden. Vielen Coaching-Interessierten ist aber auch an einer Vielzahl von Antworten und Perspektiven gelegen, die aber durch einen einzelnen Coach kaum abgedeckt werden können. Deshalb ist Speed-Coaching hierfür eine mögliche Alternative. Mit viel Speed bekommt der Coaching-Interessierte sehr schnell sehr unterschiedliche Antworten auf seine Leitfrage geboten.

Speed-Coaching greift einen anderen Trend auf, der seit einiger Zeit bei der Partnersuche von sich Reden macht: Speed-Dating. „Speed-Coaching: der neue Trend beim Coaching?“ weiterlesen

Kommt der „Diplom-Ingenieur“ zurück?

Nachdem die Studenten bis in die jüngste Zeit hinein deutliche Proteste gegenüber der Studienreform erhoben haben, meldet sich jetzt auch das Hochschul-Establishment und fordert deutliche Änderungen beim Bologna-Prozess. Wie ich schon auf dir-info.de vor längerer Zeit geschrieben habe, ist das abgestufte Absolvieren von Bachelor und Master die Leitidee bei der europaweiten Studienreformen. Entscheidend ist die Verkürzung des Bachelor gegenüber den bisherigen Studiengängen. Während bisher beim Diplom oder beim Magister faktisch meist 10 Semester/5 Jahre zu studieren war, ist für den ersten Studienabschluss des Bachelor oft eine Regelstudienzeit von 6 Semestern/3 Jahren vorgesehen. Da das anschließend mögliche Master-Studium nicht von jedem erfolgreichen Bachelor-Absolventen belegt werden kann, befürchten viele Studenten ein Schmalspur-Studium und schlechtere berufliche Aussichten.

Wie jetzt durch einige Hochschulrektoren deutlich wurde, sehen nicht nur die Studenten die Verkürzung der Studienzeiten beim Bachelor kritisch. „Kommt der „Diplom-Ingenieur“ zurück?“ weiterlesen

ELENA: Der elektronische Entgeltnachweis stößt auf Widerstände

Heftige Kritik von Datenschützern und Arbeitnehmervertretern war durch die nun wirksam gewordene Einführung des „elektronischen Entgeltnachweis“ ELENA zu erwarten gewesen; doch auch die Wirtschaft scheint wegen hoher Zusatzkosten und mehr Bürokratie vom neuen elektronischen Entgeltnachweis nicht begeistert. Doch die Kritik setzte erst ein, als der elektronische Entgeltnachweis Anfang 2010 in Kraft trat. „ELENA: Der elektronische Entgeltnachweis stößt auf Widerstände“ weiterlesen

Neue Möglichkeiten für die Kapitalbeteiligung von Mitarbeitern an ihren Unternehmen?

Seit Jahrzehnten wird bemängelt, dass die Arbeitnehmer keine ausreichenden Möglichkeiten der Kapitalbeteiligung an ihren Unternehmen haben. Insbesondere bei den großen dominierenden Aktiengesellschaften befindet sich die Kapitalbeteiligung in den Händen relativ hoch vermögender Einzelpersonen oder von großen Kapitalgesellschaften. Das dies auch ein Nachteil in der Krise ist, wurde im letzten Jahr deutlich, als Opel kurz vor der Insolvenz stand. Durch Mitarbeiterbeteiligung könnte die Krise in vielen Unternehmen besser abgefedert werden. So forderte  das Mitglied des DGB-Bundesvorstandes Dietmar Hexel in einen Blogbeitrag für das Handelsblatt erneut, eine stärkere Beteiligung auch im Kapital, um die Mitbestimmung bei der Gestaltung der Firmenpolitik auf eine breitere Basis zu stellen.

Nun hat nach Meldungen in verschiedenen Medien Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble eine neue Idee in den Raum gestellt, um mittels steuerrechtlicher Förderung die Mitarbeiterbeteiligung an Kapitalgesellschaften nach vorne zu bringen. „Neue Möglichkeiten für die Kapitalbeteiligung von Mitarbeitern an ihren Unternehmen?“ weiterlesen

Lehrlinge lohnen sich für den Betrieb auch finanziell – meint das Institut der deutschen Wirtschaft

Immer noch gilt für manche Betriebe die Ausbildung der Lehrlinge als teuer und daher werden keine Lehrlinge eingestellt. Obwohl diese doch drei bis vier Tage pro Woche im Betrieb sind und daher dort schon nach kurzer Anlernzeit im erheblichen Umfang produktive Aufgaben übernehmen können.

Deshalb könnte es sich für den Betrieb lohnen, mehr Lehrlinge einzustellen. Für viele Aufgaben können Lernlinge schnell eingesetzt werden. Sie übernehmen dann Tätigkeiten von produktiven Arbeitskräften, die sonst sehr teuer eingekauft werden müssten. Auch können Lehrlinge im Betrieb für Ziele eingesetzt werden, die sonst liegen bleiben, aber wichtig für die Fortentwicklung der Betriebe sind. So können beispielsweise angehende Kaufmanns-Lehrlinge statistische Auswertungen anfertigen, die für die Weiterentwicklung der Marktchancen der Betriebe relevant sind.

Dass Lehrlinge sich finanziell für den Betrieb lohnen, wird auch vom renommierten Institut der deutschen Wirtschaft vertreten. Das arbeitgebernahe Institut hat den Produktivitätseffekt der Ausbildung von Lehrlingen im Betrieb genauer berechnet (Bericht des Instituts Nr. 42 vom 15. Oktober 2009). Die Studie kommt zum Ergebnis, dass Lehrlinge sehr nützlich für den Betrieb sind. So sorgen beispielsweise Lehrlinge als Fachverkäufer im Bäcker- oder Fleischerhandwerk zu einem zusätzlichen Gewinn in Höhe von knapp unter 7000 Euro pro Jahr.

Aber auch andere Lehrlinge sorgen im Betrieb für zusätzliche Einnahmen und Kostensenkungsmöglichkeiten. Zum Beispiel im Hotel- und Gaststättengewerbe, beim Friseur und im medizinischen Bereich. Das Institut der deutschen Wirtschaft geht zwar für die vergangenen Jahre von einem Anstieg der Bruttokosten für die Ausbildung von Lehrlingen im Betrieb aus; doch gleichzeitig seien die Erträge bzw. Kosteneinsparungen durch die Lehrlinge ebenfalls gestiegen.

Es macht also Sinn für die Betriebe, verstärkt über die Einstellungen von Lehrlingen nachzudenken. Genügend Interessenten für Ausbildungsplätze sind vorhanden; die Betriebe können sich die besten Lehrlinge aussuchen, die sie zu einer fundierten Ausbildung mit gleichzeitiger finanziellem Erfolg für die Betriebe nutzen können.

Peinlichkeiten bei geschäftlichen Kontakten – und wie man damit klarkommt

Kurz vor der wichtigen Besprechung passiert ein Malheur: Das Hemd bekommt einen Riss oder man kippt sich aus Versehen Kaffee über den Pullover. Oder man verwechselt den Namen einer Person während des geschäftlichen Kontakts und lässt Glückwünsche für den frischen Nachwuchs ausrichten, der bei einer ganz anderen Person eingetreten ist.
Solche Peinlichkeiten bei geschäftlichen Kontakten schaffen schnell eine gedrückte Stimmung, lässt Gesprächspausen entstehen und sorgt durch Aufregung für Aufsehen. Wie soll man damit klarkommen, wenn man die Kommunikationssituation nicht belasten will? Experten für Benimm-Regeln haben aber schnell einen guten Tipp bei der Hand. Je nach Situation soll man cool reagieren und versuchen, auf das Problem schnell und souverän ohne großes Aufsehen zu reagieren. Der Riss im Hemd oder die Kaffeeflecken auf dem Pullover lassen sich auf die Schnelle nicht überdecken. Deshalb sollte man nur in Extremfällen den geschäftlichen Kontakt verschieben. Normalerweise reicht es aus, sich kurz zu entschuldigen und in einer späteren Pause nach einer Lösung zu suchen.

Bei Namens- oder Personenverwechslung, die sehr häufig vorkommen, könnte man versuchen, der Verwechslung eine witzige Note zu verpassen. Selten werden Komplimente als zu übertrieben empfunden, deshalb kann man die Verwechslung dazu nutzen, ein positives Merkmal zwischen der verwechselten Person und der Person herzustellen, mit der man sich gerade im geschäftlichen Kontakt befindet. Oder man interpretiert die falsche Zuordnung des Nachwuchses als Wunsch für die Zukunft um. Auch dies kann als Peinlichkeit empfunden werden, wenn man danach eine allzu lange Pause im geschäftlichen Kontakt entstehen lässt; also am besten schnell mit der Tagesordnung souverän weiter machen.

Benimm-Experten empfehlen bei den Peinlichkeiten, die man anderen Personen im geschäftlichen Kontakt zufügt (z.B. Kaffee über deren Hose auskippen), keinesfalls spontan mit körperlichen Kontakt zu reagieren. Damit würde die Peinlichkeit noch gesteigert. Besser ist es auch hier, sich zu entschuldigen und die Visitenkarte zu überreichen, damit der Betroffene die Rechnung einer Reinigung an einen weiterleiten kann. Wenn man dies schnell und ohne Aufsehen umsetzt, dann wird man meist von dem Vorgang, der die Peinlichkeiten im geschäftlichen Kontakt ausgelöst hat, nichts mehr hören.

Große Mängel beim IT-Wissen fordert berufliche Weiterbildung heraus

Auch nach Ansicht des Software-Herstellers Microsoft ist das IT-Wissen noch mit vielen Mängeln versehen. IT steht dabei für Informations-Technik und sollte nicht mir PC oder EDV verwechselt werden.
Aus den Mängeln des IT-Wissens folgt eine Anforderung an die berufliche Weiterbildung, diese Mängel auszugleichen.

Bill Gates hatte einst in Deutschland die „Qualifizierungsinitiative IT-Fitness“ ausgerufen, um die Weiterbildung verstärkt auf IT auszurichten. Nun wurden Ergebnisse des anonymisierten IT-Fitness-Tests bekanntgegeben. Hier zeigten sich deutliche Mängel und Lücken vor allem bei Arbeitsuchenden und Berufsanfängern. Bei den Berufsanfängern und Jugendlichen unter 20 Jahren zeigten sich Mängel bei den IT-Basiskenntnissen, mit denen man nicht gerechnet hatte, da doch diese Altersgruppe als besonders IT-affin gilt. Bei den Arbeitsuchenden waren es vor allem die neuen Bundesländer, die ein vergleichsweise schlechtes Ergebnis erbrachten. Auch Frauen liegen noch immer nicht auf gleicher Höhe wie die Männer, wenn es um IT-Kenntnisse geht. Demgegenüber waren es die Lehrer, die erstaunlich gut abschnitten. Allerdings hatten diese nur in vergleichsweise geringem Umfang an der Untersuchung teilgenommen. (Weitere Ergebnisse auf http://www.it-fitness.de/it_fitness_untersuchung/wie_it_fit_ist_deutschland.aspx.)

Weiterbildung in der IT ist also notwendig, um die Wertschöpfung durch IT in Deutschland noch weiter auszubauen. Experten gehen davon aus, dass bereist bisher die IT-Kenntnisse sehr wichtig für die Produktivitätsentwicklung und den Wachstumsprozess sind. Dies wird in den kommenden Jahren noch wichtiger werden. Die IT-Weiterbildung sollte also durchaus ausgebaut werden. Der Eindruck, dass jeder und jede schon sehr gut in der IT-Nutzung ist, scheint verkehrt zu sein, wenn man die Ergebnisse des IT-Fitness-Tests genauer betrachtet.

Wie können an- und ungelernte Mitarbeiter im Betrieb qualifiziert werden?

Unternehmen stehen gerade in Zeiten der Krise unter starkem Innovationsdruck. Zwar gäbe es bessere Chancen, Mitarbeiter von Konkurrenzunternehmen oder aus den unbeschäftigten Arbeitskräftepotential zu gewinnen, doch wesentlich effektiver könnte die Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter sein.

Zum einen weil diese schon in die betrieblichen Arbeitsabläufe integriert sind, zum anderen weil die Arbeitgeber schon einen Eindruck von deren Kompetenz und Weiterbildungsmöglichkeiten gewinnen konnten.

Deshalb wäre es für viele Arbeitgeber attraktiv, an- und ungelernte Mitarbeiter im eigenen Betrieb weiter zu qualifizieren. Hierfür können die Ausbilder eingesetzt werden, die schon eine Ausbildereignungsprüfung in dem entsprechenden Berufsfeld nachgewiesen haben. Fehlende Fachbereiche können durch externe Berufsausbildungs-Dozenten abgedeckt werden. Aber auch die zeitweise (bezahlte oder unbezahlte) Freistellung der Mitarbeiter zur Teilnahme an zertifizierten Kursen von Weiterbildungsträgern ist denkbar. Unter Umständen kann der Betrieb hier staatliche Förderinstrumente nutzen, die eine Weiterbezahlung ermöglichen, ohne dass dem Betrieb hierfür Kosten entstehen.

Die berufsbegleitende Weiterbildung an- und ungelernter junger Erwachsener bietet Lösungen zur Deckung des Personalbedarfes nach der Krise: Dabei können die schon angestellten an- und ungelernte Mitarbeiter weiterqualifiziert werden, um diese mit mehr Flexibilität auf erweiterte Qualifikationsanforderungen auszurichten, wobei die schon vorhandenen praktisch nachvollziehbare Qualifikationspotentiale genutzt werden. Es ist aber auch denkbar, das gezielt Neueinstellungen von gering Qualifizierten vorgenommen wird, um von vorneherein geplant, die Höherqualifizierung und den betrieblichen Einsatz parallel zu gestalten. Auch hierfür gibt es staatliche Förderinstrumente.

Berufsbegleitende Nachqualifizierung an- und ungelernter Mitarbeiter orientiert sich daran, dass parallel zur betrieblichen Tätigkeit eine Berufsabschluss oder eine sonstige Qualifikation in einen nachvollziehbaren/zertifizierten Prozess erreicht wird. Neben innerbetrieblichen Fortbildungen ist auch vor allem an externe Maßnahmen zu denken, die von entsprechend spezialisierten Bildungsträgern angeboten werden. Für Betriebe kann diese Zusammenarbeit mit externen Trägern von Vorteil sein, da diese über viel Know-how verfügen, um die vielfältigen Finanzierungsmöglichkeiten für den Qualifikationsprozess durch Gelder aus staatlichen, europäischen oder sonstigen Programmen zu nutzen.

So können beispielsweise Zuschüsse zum Arbeitsentgelt an die Arbeitgeber über die Bundesagentur für Arbeit fließen, wenn die Betriebe dafür sorgen, dass Mitarbeiter ohne Berufsabschluss eine Qualifizierung bekommen. Dabei kann die Bundesagentur die Löhne ersetzen, die für die Teilnahme der Mitarbeiter an den Qualifizierungsmaßnahmen entstehen. Somit bekommt das Unternehmen kostengünstig höher qualifizierte Mitarbeiter, während für diese Höherqualifizierung ohne Lohnausfall möglich ist.

Die Vorteile den Betriebe liegen auch in den Möglichkeiten einer vorausschauende Personalentwicklung; denn nun werden betriebsinterne Qualifikationsreserven langfristig berechenbar ausgeschöpft. Zugleich kann sich die Qualifizierung an den Bedürfnissen
des jeweiligen Betriebes ausrichten. Durch eine modulare Gestaltung des Qualifizierungsprozesses
ist es jederzeit möglich, die Weiterbildung an betriebliche Veränderungen flexibel anzupassen.

Einen Überblick über finanzielle Förderungsmöglichkeiten bietet eine laufend aktualisierte Broschüre der Bundesagentur für Arbeit: http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/Veroeffentlichungen/Geldleistungen/Was-Wieviel-Wer-SGBIII.pdf

Der „freiwillig“ arbeitende Kunde als Megatrend zur Kosteneinsparung

„Der Kunde ist König“: Dieser Werbespruch aus den 50er-Jahren wirkt heute irgendwie deplatziert. Obwohl alle Marketing-Verantwortlichen immer wieder betonen, dass im Mittelpunkt ihrer Bemühungen die umfassende Bedürfniserfüllung des Kunden steht.

Möglicherweise ist der Kunde auch selbst dran schuld, das er nicht mehr König ist. Denn die „Geiz ist Geil“-Mentalität können viele Anbieter nur erfüllen, wenn sie sehr kostenbewusst arbeiten. Und die höchsten Kosten sind die Personalkosten. Deshalb findet man so selten einen Verkäufer im Baumarkt. Und wenn man zur nächsten Theke geht, dann muss man sich in die Schlage einreihen.

Diese Tendenz zu Wartezeiten als Rationalisierungsmittel wird noch überboten durch den „freiwillig“ arbeitenden Kunden, der gerne zur Kosteneinsparung mit beiträgt, indem er Arbeiten übernimmt, die früher von den Unternehmen und Dienstleistern selbstverständlich geboten wurde. Das Möbelhaus mit dem Elch wurde in den 70er-Jahren Vorreiter. Dort konnte man unbelastet von werbenden Verkäufern in Ruhe seine Möbel zusammenstellen. Erst wenn man nach schwierigem Transport zu Hause nach Stunden die Regelwand oder den Kleiderschrank einigermaßen perfekt aufgestellt hatte, wurde einen so langsam klar, dass man als freiwillig arbeitender Kunde etliche Arbeitsstunden aufgewandt hatte, um preiswerter an die schönen Holzmöbel zu kommen.

Die Arbeit des Kunden als Megatrend der Kosteneinsparung wurde Jahr um Jahr ausgefeilter. Geld zieht man am Automaten, statt die „Schalterbeamten“ zu beanspruchen. Bahntickets kann man sich an Computern ausdrucken lassen, die eine hohe Handlungsflexibilität erfordern. Waren verschiedener Art werden im Internet vom Kunden designt oder mitgestaltet, bevor er sie online bucht und online bezahlt. Selbst ein Hotel kann man ohne Kontakt mit Personal beziehen und wieder räumen. Und Ferienhausvermieter geben Rabatt, wenn man das Appartement selbst gereinigt übergibt. Auch Behörden greifen gerne auf den „arbeitenden Kunden“ zurück, wenn sie beispielsweise verlangen, dass Umsatzsteuer-Meldungen nur über spezielle EDV-Systeme möglich sind.

Die Soziologen Günter Voß und Kerstin Rieder haben diesen Megatrend zur Kosteneinsparung zum Begriff des „arbeitenden Kunden“ gebündelt: Der arbeitende Kunde: Wenn Konsumenten zu unbezahlten Mitarbeitern werden. Dieser Begriff des „arbeitenden Kunden“ aus dem Buch hat es auch bereits in die Wikipedia geschafft.

Gelegentlich wird beim „arbeitenden Kunden“ aber übersehen, dass dies auch Vorteile haben kann. Denn man spart nicht nur Geld, sondern hat auch mehr Möglichkeiten der flexiblen Anpassungen von Produkten und Dienstleistungen an seine Bedürfnisse. Nicht jeder kann so schnell mit einem professionellen Küchenplaner kommunizieren, dass er sofort jede Entscheidung richtig einordnen kann. Das eigene Planen am PC nimmt natürlich beträchtliche Zeit in Anspruch, doch ist man danach vielleicht zufriedener, weil man mehr Möglichkeiten gedanklich ausprobieren konnte. Und wer handwerklich begabt ist, der hat vielleicht sogar Spaß beim Verlegen des Parkettbodens. Man sollte als „arbeitender Kunde“ nur darüber reflektieren, ob man überhaupt arbeiten will, bzw. was die eigene Arbeit einem Wert ist: Bevor man sich auf den Weg zum personalreduzierten Anbieter macht.