Atomausstieg und Strompreis

Die Bundesregierung hat sich nach monatelangem Moratorium entschlossen, einen Atomausstieg bis 2022 für Deutschland vorzuschlagen und politisch umzusetzen. Für viele Verbraucher stellt sich nun die Frage, wie wirkt sich diese Entscheidung kurz-, mittel- und langfristig auf den Strompreis aus?

Bei der Diskussion um den Strompreis im Zusammenhang mit dem Atomausstieg wird meist eher betriebswirtschaftlich argumentiert. Ethische Fragen haben eigentlich nichts mit dem Strompreis zu tun und die Ethikkommission zum Atomausstieg hat diese Frage auch höchstens am Rande beachtet. Die günstigen Produktionspreise für deutschen Atomstrom werden bei den betriebswirtschaftlichen Überlegungen der Öffentlichkeite den vergleichsweisen hohen Preisen für neu aufzubauende Kapazitäten durch neue und alte Energieproduktionsformen gegenübergestellt. Dabei wird übersehen, dass die Preisbildung für Waren aller Art keine überwiegend betriebswirtschaftliche Fragestellung ist.

Entscheidend für die Preisbildung ist die Marktsituation, die bei der Energiepreisen in Deutschland überwiegend als oligopolistisch auf der Anbieterseite eingeschätzt wird. Konkret heißt dies, dass beim Strompreis wenige große Anbieter eine enorme Marktmacht haben und daher im großen Umfang den Marktpreis in ihrem Sinne beeinflussen können. Der billige Atomstrom aus Deutschland führt damit zwar zu enormen Profiten bei den Energieproduzenten, der Verbraucher hat aber keine Vorteile, weil die Anbieter durch geringe Konkurrenz untereinander diese Vorteile nicht weiter zu geben brauchen.

Ob sich durch den Atomausstieg daran etwas ändert bleibt abzuwarten. Denn parallel zum Atomausstieg müssten die politischen Entscheidungsträger dafür sorgen, dass neue Anbieter in den Markt eintreten oder zumindest der Anteil der großen Anbieter reduziert wird. Es ist aber zu befürchten, dass sich die alten Großanbieter schnell auf die neue Situation einstellen und bei den alternativen Energieangeboten ebenfalls deutliche Marktmacht gewinnen werden. Denn ihre „Kriegskassen“ sind für diese Wettbewerbssituation gut gefüllt.

Kommt es also in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zum einem Anstieg beim Strompreis, dann liegt das wohl kaum am Atomausstieg. Die Strompreise sind dann trotz (und nicht wegen) des Atomausstiegs gestiegen. Die Verbraucher können dies aber beeinflussen in dem sie ständig (mindestens ein Mal pro Jahr) zum jeweils günstigsten Strompreis wechseln und es vermeiden, lange Vertragslaufzeiten einzugehen.

Deutschland

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