Deutsche jammern gern auf hohem Niveau

Fragt man die Deutschen nach ihrem persönlichen Befinden, dann ist das meist sehr gut. Fragt man die gleichen Leute nach der Lage Deutschlands, dann kommen Sprüche wie „Deutschland geht immer mehr den Bach runter“. Vielen Deutschen geht es zu gut, deshalb jammern sie gerne auf hohem Niveau, um glücklich bleiben zu können.

Deutsche jammern gern auf hohem Niveau

Deutsche jammern gern auf hohem Niveau

In Deutschland herrscht Frieden und Wohlstand. Selbst Hartz-IV-Empfänger und Rentner können sich darauf verlassen, dass ihnen eine gewisse Mindestsicherung/Existenzsicherung garantiert werden kann. Doch es waren nicht überwiegend sozial Bedürftige die vom „Rheingold-Salon“ (Name einer privaten Marktforschungseinrichtung) und dem „Institut für Psychologie und Transfer der Uni Bremen“ (Name einer staatlichen Bildungs- und Forschungseinrichtung) befragt wurden, als es um die Sorgen, Werte und Wünsche ging, die ganz normale Deutsche im Jahre 2012 beschäftigen. Die Ergebnisse dieser Marktpsychologie-Studie, die von der Oettinger-Brauerei unterstützt wurde, bestätigen alle Vorurteile, die im Ausland über die Deutschen im Umlauf sind: Den Deutschen geht es gut, aber ihr liebstes Hobby ist das Jammern über Deutschland.

Beliebte Deutsche sind Personen wie Helmut Schmidt, den viele auch deshalb verehren, weil er so erfolgreich mit deutschen Sekundärtugenden war: Fleiß, Sauberkeit, Pünktlichkeit, Ordnung und Zuverlässigkeit sind zwar auch gute Kriterien, wenn es um die Organisation von geschlossenen Einrichtungen geht, doch die Deutschen schätzen nach Aussagen der Oettinger-Rheingold-Studie dies als typische Merkmale ein, die für sie als Deutsche gelten müssten. Doch gleichzeitig meinen diese Deutschen auch, dass drei Viertel der Deutschen keinesfalls diese Sekundärtugenden leben: „Die Deutschen sind gar nicht alle so ehrlich, pünktlich und gewissenhaft, wie man immer denkt …“ (Seite 42 der oben verlinkten Studien-Präsentation).

„Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht“. Das meinte nicht nur Heinrich Heine, wenn er im französischen Exil um seine Heimat trauerte, das scheinen auch die Deutschen zu denken, zumindest wenn man annimmt dass, die Oettinger-Rheingold-Studie das Gefühl der Deutschen repräsentativ erfassen kann. „Deutschland geht immer mehr den Bach runter“, diese fatalistische Sicht haben fast drei Viertel der befragten Deutschen. (Seite 15 der oben verlinkten Studien-Präsentation)

Typisch deutsch scheint auch die Antwort zu sein, wenn man nach dem Retter fragt, der Deutschland oder die Deutschen aus der scheinbar ausweglosen Situation bringen könnte. Es ist Papa Staat, der für alles verantwortlich ist, und der die deutsche Welt wieder in Ordnung bringen könnte, wenn es nur mehr fähige politische Führer gäbe. Mehr als drei Viertel der befragten Deutschen halten die deutsche Politik für zu zögerlich, verlangen von der Politik mehr Tatkraft und Entscheidungsfähigkeit. Auf der Seite 17 der oben verlinkten Studien-Präsentation findet man dazu folgende Sprüche:

Doch anders als zu Heinrich Heines Zeiten ist Deutschland inzwischen eine parlamentarische Demokratie. Und der Staat, der alles wieder in Ordnung bringen soll, das sind die Deutschen selbst, die gerne auf hohen Niveau jammern, aber weder im Alltag noch bei Wahlentscheidungen verstehen wollen, dass sie die Verantwortung dafür tragen, das hierzulande alles so ist, wie es ist.

Bildnachweis: © liveostockimages – Fotolia.com

 

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