Deutschland streitet über die Rettung Griechenlands

Heute besucht der griechische Ministerpräsident die deutsche Bundeskanzlerin. Das Dauerstreitthema ist wie immer die Rettung Griechenlands aus der Eurokrise.

Deutschland streitet über die Rettung Griechenlands

Deutschland streitet über die Rettung Griechenlands

Griechenland ist nach wie vor in einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Staatsverschuldung ist hoch und kann nur für einen sehr hohen Prozentsatz neu finanziert werden. Ob die neuen Schulden jemals zurückgezahlt werden können ist zweifelhaft, denn die Sparanstrengungen des griechischen Staates und der Unternehmen schränken die Wachstumsmöglichkeiten der griechischen Volkswirtschaft auf sehr lange Sicht sehr stark ein.

Wenn es um das eigene Geld geht, dann haben die Deutschen eher wenig Fingerspitzengefühl, wenn es um Verhandlungen unter schwierigen Bedingungen geht. Griechenland steht erneut vor der Staatspleite, doch wie diese abgewendet werden könnte, bestimmt zurzeit nicht die Diskussion in Deutschland. Sehr stark sind viele Stimmen, die Griechenland aus dem Euro drängen wollen. Zurückhaltender äußern sich viele Ökonomen aus dem linken Spektrum: Ein Austritt oder Rausschmiss Griechenlands aus dem Euro löse weder in Griechenland noch im sonstigen Euroraum irgendein Problem. Vielmehr sei zu erwarten, dass sich dann die Diskussion um Euroaustritte auf andere europäische Länder ausdehnen kann, die ähnliche Probleme wie Griechenland (hohe Zinsen auf neue Schulden, Wachstumsverluste wegen überzogener Sparanstrengungen) bereits jetzt haben.

Da Angela Merkel die nächste Bundestagswahl gewinnen will, muss sie unter dieser Stimmungslage sich sehr genau überlegen, was sie sagt. Bisher sind ihre Äußerungen daher zurückhaltend und von dieser Taktik wird sie vorerst nicht abgehen wollen. Würde sie sich für den Austritt Griechenlands aus dem Euro stark machen, dann würde man weltweit davon ausgehen, dass der Euro nicht mehr zu retten ist. Würde sie sich für eine Ausweitung der Griechenland-Hilfen einsetzen und dem Land einen längeren Zeitraum spenden, um sich zu sanieren, dann könnten die internen Kritiker der Kanzlerin (aus Bayern und dem restlichen konservativen Deutschland) ihre Jobperspektive bereits jetzt verkürzen. Zumal dann die Politik der Kanzlerin sich noch stärker an die linken Ökonomen bzw. an den neuen französischen Präsidenten anlehnen müsste.

Die Kanzlerin muss also auf Zeitgewinn setzen und folgt damit Leitlinien, die unter einem früheren Bundeskanzler als „Aussitzen“ bekannt waren und die bereits damals das Land über Jahre in der Stagnation gehalten hatten. Allerdings passt diese Politik nicht zur gegenwärtigen Problemlage, denn die ökonomischen Probleme Griechenlands und anderer schwacher Euroländer verschärfen sich laufend. Für eine Lösung wird man wohl eher Paris als Berlin besuchen müssen.

Bildnachweis: © ChaotiC_PhotographY – Fotolia.com

Deutschland

Sie können Sie einen Kommentar hinterlassen or unseren Feed abonnieren, wenn Ihnen dieser Beitrag gefallen hat.

Einen Kommentar schreiben

(Pflichtfeld)

(Pflichtfeld)