Die Deutschen haben das Sparen verlernt

Während die Unternehmen und ihre Entscheidungsträger im Pessimismus verharren (der Geschäftsklimaindex ist erneut gesunken), behalten die meisten Deutschen ihre Freude am Konsumieren. Selten wurde so wenig gespart wie gegenwärtig. Die Gründe gegen Sparen und für mehr Konsum sind vielfältig.

Die Deutschen haben das Sparen verlernt

Die Deutschen haben das Sparen verlernt

Regelmäßig erheben Wirtschaftsforscher und Marketing-Experten Daten zum Konsumklima und zum Geschäftsklima. Für das Geschäftsklima ist das Ifo-Institut zuständig, das regelmäßig nach Befragungen von Verantwortlichen aus der Wirtschaft den Geschäftsklimaindex veröffentlicht. Dieser ist so schlecht wie selten und wird bei jeder Befragung immer schlechter. Die Unternehmen blicken also mit Pessimismus in die Zukunft und gehen davon aus, dass die nächsten Geschäfte nicht allzu lukrativ werden können.

Man könnte also davon ausgehen, dass auch das Konsumklima leidet und die Deutschen mehr Sparen, weil sie eine Wirtschaftskrise befürchten. Doch dem ist nicht so. Für das Konsumklima ist die gfk zuständig und dieses Institut meldet nun die üblichen Rekordwerte sowie eine zurückgehende Sparneigung bei den Deutschen.

Schaut man sich die Begründung für die zurückgehende Sparneigung an, dann findet sich ähnliche Begründungen wie für den Einbrechen des Geschäftsklimas: Eurokrise und fehlendes Vertrauen in die Zukunft der deutschen Konjunkturentwicklung. Weil bei vielen Konsumenten der Eindruck entstanden ist, dass der Euro keine Zukunft hat und dass das Geld bald nicht mehr den gegenwärtigen Wert bietet, geben sie lieber heute als morgen die noch vorhandenen Euros aus, lösen Sparkonten und Wertpapierdepots auf und setzen ihr Vertrauen auf Sachwerte wie Gold und Immobilien. Zur zurückgehenden Sparneigung auf Geldkonten passt aber auch, dass die Preise für Gold und Immobilien im Vergleich zu den länger zurückliegenden Vorjahren stark angestiegen sind. Die zurückgehende Sparneigung kann aber auch damit erklärt werden, dass für sichere Geldanlagen gegenwärtig kaum Zinsen gezahlt werden. Warum sollte man auf Konten Geld ansparen, wenn man dafür kaum eine Entlohnung bekommt?

Der differenzierte Bild auf Sparneigung und Geschäftsklima offenbart also weniger Widersprüche als man zunächst meint. Sowohl die Konsumenten wie die Geschäftsleute blicken pessimistisch in die Zukunft. Während die einen eher passiv abwarten, hauen die anderen noch schnell ihr Geld raus oder tauschen Sparanlagen in vermeintlich sichere Sachwerte um.

Bildnachweis: © Picture-Factory – Fotolia.com

Deutschland

Sie können Sie einen Kommentar hinterlassen or unseren Feed abonnieren, wenn Ihnen dieser Beitrag gefallen hat.

Kommentare

Ein Kommentar zu “Die Deutschen haben das Sparen verlernt”

Einen Kommentar schreiben

(Pflichtfeld)

(Pflichtfeld)