Kinderlärm soll keine schädliche Umwelteinwirkung mehr sein

Immer mal wieder gibt es Anwohnerbeschwerden über Kinderlärm, z.B. in der Nähe von Spielplätzen. Die Anwohner nutzen zur Durchsetzung ihrer Wünsche dann rechtliche Mittel, die sich zum Beispiel auf das Immissionsschutz-Gesetz beziehen. Dann wird Lärm von Kindern genauso kritisch gesehen, wie Lärm von Industrieanlagen. Kinderfreundliche Gemeinden hatten es wohl schwer, hier Interesse der Kinder zu agieren. Nun hat die Bundesregierung einen Gesetzesentwurf auf den Weg gebraucht, der Kinderlärm als „schädliche Umwelteinwirkung“ aus dem Immissionsschutz-Gesetz herausnimmt.

Der zuständige Bundesumweltminister Norbert Röttgen spricht sogar von einer „Privilegierung des Kinderlärms“ und will damit ein Signal für eine kinderfreundlichere Gesellschaft geben. Konsequenz der gesetzlichen Änderung wird es sein, das man bei der Beurteilung von Kinderlärm auf Spielplätzen und in Kindereinrichtungen nicht mehr die Lärm-Richtwerte verwenden kann, wie man sie sonst für Industrie- und Sportanlagen anwendet, um ihre Umwelteinwirkung zu bestimmen.

Als Ergänzung zu Änderungen im Immissionsschutz-Gesetz soll das Bundesverkehrsministerium die Bauplanungsverordnung verändern und damit das Einrichten von Kindertagesstätten in Wohngebieten fördern, auch wenn das manche Anwohner nicht erfreuen sollte. Auch die Hürden für neue Spielplätze oder sonstige Kindereinrichtungen könnten damit gesenkt werden.

Im Vorfeld der Gesetzesinitiative hatte es noch Kritik von den Senioren der CDU gegeben, wie der blog-magazin66.de berichtete. Doch deren Bedenken scheinen inzwischen aufgelöst worden zu sein. Auch viele andere gesellschaftliche Initiativen unterstützen die Pläne der Bundesregierung, dass Kinderlärm nicht mit anderen schädlichen Umwelteinwirkungen auf eine Stufe gestellt werden darf.

Es bleibt abzuwarten, ob und wie schnell es dazu kommt, dass Kinderlärm nicht mehr überwiegend negativ gesehen wird. Dies würde auch die Kinderfreundlichkeit in Deutschland verbessern und damit Nachholbedarf im internationalen Vergleich vermindern.

Deutschland

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