Koalitionsfriede auf Kosten der Krankenkassen

Der Koalitionsausschuss der Regierungsparteien CDU, CSU und FDP hat entschieden. Die ungeliebte Praxisgebühr wird abgeschafft. Zuschüsse für die Krankenkassen werden ab 2013 gekürzt.

Koalitionsfriede auf Kosten der Krankenkassen
Koalitionsfriede auf Kosten der Krankenkassen

Vor neun Jahren wurde sie eingeführt, jetzt soll sie bereits am 1. Januar des nächsten Jahres abgeschafft werden: die 10 Euro Praxisgebühr. Die Praxisgebühr ist unbeliebt bei Ärzten und Patienten; letztere finden es lästig einmal im Quartal beim Hausarzt 10 Euro abdrücken zu müssen, erstere scheuen den Verwaltungsaufwand, der dadurch entsteht, dass sie die 10 Euro Praxisgebühr an die Krankenkassen abführen müssen.

Die gesetzlichen Krankenkassen sind die Verlierer des Koalitionskompromiss zwischen den Regierungsparteien. Denn nach Berichten verschiedener Medien sollen sie nicht nur auf die zwei Milliarden Praxisgebühr pro Jahr verzichten. Da die Krankenkassen bzw. der Gesundheitsfond der Krankenkassen gegenwärtig gut gefüllt ist, wird auch der Bundesschuss für die Krankenkassen gekürzt. Bereits 2013 sollen die Krankenkassen 500 Millionen Euro weniger bekommen. Für 2014 ist dann eine weitere Kürzung um 2 Milliarden Euro geplant.

Für die Krankenkassenmitglieder hört dies alles nicht schlecht an. Sie brauchen ab dem nächsten Quartal keine 10 Euro mitzubringen, wenn sie zu ihrem Hausarzt gehen und sich dort lediglich Überweisungen für andere Ärzte holen müssen. Viele werden auch diesen Weg vermeiden wollen und gehen direkt zum Facharzt, möglicherweise auch zu unterschiedlichen Fachärzten der gleichen Fachrichtung. Die Abschaffung der Praxisgebühr könnte also das „Ärztehopping“ fördern. Damit werden die Wartezimmer noch voller und die Ärzte haben noch weniger Zeit, um sich um ihre Kassenpatienten zu kümmern. Viele Patienten werden möglicherweise der Praxisgebühr noch nachtrauern, denn die verlängerten Wartezeiten werden durch die eingesparten 10 Euro nicht kompensiert werden können.

Bildnachweis: © Martin Winzer – Fotolia.com

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