Kölner Kardinal Meisner rettet die deutsche Hausfrau

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist durch die Diskussion über ihre DDR-Vergangenheit in Stolpern geraten. Da trifft es sich gut, wenn ein Kölner Kardinal ihr unter die Arme greifen kann. Doch Kardinal Meisner nützt die Schwäche der Kanzlerin, um gegen Merkels DDR nahe Frauen- und Familienpolitik Position zu beziehen: Deutschlands Zukunft kann nur durch die deutsche Hausfrau gesichert werden, die sich aufopferungsvoll um Kinder und Haushalt kümmert.

Kölner Kardinal Meisner rettet die deutsche Hausfrau
Kölner Kardinal Meisner rettet die deutsche Hausfrau

Deutschland hat ein Problem, deutsche Frauen bekommen sehr wenige Kinder und deshalb fehlt dem Arbeitsmarkt hier der Nachwuchs. Kein Problem meint die deutsche Politik, im Ausland werden genug Kinder geboren, die auch hier nach guten Deutschkursen beruflich Karriere machen können. Doch nicht allen gefällt die Vorstellung, dass ausländische Kinder für die deutsche Wirtschaftszukunft unverzichtbar sind. Wie viel schöner wäre es doch, wenn die deutschen Frauen zurück zu den 3 Ks kämen. Mit Kirche, Kinder und Küche sind sie dann ausgelastet und machen auch ihren männlichen Arbeitskollegen im Büro und an der Werkbank keinen Ärger mehr.

Was wie ein Revival aus den 1950er-Jahren der alten Bundesrepublik daherkommt, ist durchaus aktuell. Wieder einmal hat Kölns Krawall-Kardinal Meisner zugeschlagen und zu einer Rückbesinnung auf frühere Werte aufgerufen. Es komme darauf an in der deutschen Gesellschaft ein Klima zu schaffen, damit die Frauen wieder mehr Kinder in die Welt setzen. Er habe es ja in der DDR erlebt, was passiert, wenn man Kinder einer Kinderkrippe überantwortet, statt sie zu Hause unter mütterlicher Aufsicht zu erziehen. Man solle deutsche Frauen ermuntern, drei oder vier Kinder zu bekommen, denn es wäre falsch, den Portugiesen oder Spaniern ihre Kinder und damit ihre Zukunft wegzunehmen, wie sich die Bundeskanzlerin Angela Merkel die Lösung des Demografie-Problems vorstelle.

Meisner hat es damit geschafft, viele aktuelle Wahlkampfthemen (fehlende Kindergartenplätze, Betreuungsgeld, Demografie, Rentenverbesserung für Mütter, Ausländerzuwanderung und -integration, Angela Merkels DDR-Vergangenheit) zu einem neuen Aufreger zu verbinden. Bundeskanzlerin Merkel wird es ihm danken, wenn sie sich und ihre christliche CDU wohltuend von diesen christlichen Funktionsträgern abgrenzen kann.

Bildnachweis: © araraadt – Fotolia.com

4 Antworten auf „Kölner Kardinal Meisner rettet die deutsche Hausfrau“

  1. Was ist das denn für ein Geschreibsel? Es ist doch wohl unstrittig, daß der Betreuungsschlüssel in gesunden Familien wesentlich besser für die Entwicklung der Kinder ist als der in den Kitas. Auch Geschwisterkinder haben einen positiven Einfluß auf das Kindeswohl. Der einzige berechtigte Kritikpunkt an Kardinal Meisner ist, daß er allein die Frauen für die Kinderlosigkeit verantwortlich macht. In den anderen Punkten hat er recht. Es läuft schon einiges verkehrt, wenn wir wegen einer verfehlten Integrationspolitik Kindergärten zur Pflicht erheben wollen und gleichzeitig noch mehr Einwanderer herbeirufen, weil sich viele in unserer Gesellschaft keine Zeit mehr für Kinder nehmen wollen.

  2. Was hier als unstrittig bezeichnet wird, ist nicht Gegenstand des Meisner-Interviews und auch nicht meiner Polemik. Allerdings ist es nicht unstrittig, ob familiäre Betreuung oder Betreuung in Kindestagestätten besser für die Kinder ist, zumal wenn man bedenkt, dass es nicht nur „gesunde Familien“ oder „ungesunde Kindestagesstätten“ gibt.

    Außerdem hat Meisner nicht allein die Frauen für die Kinderarmut in Deutschland verantwortlich gemacht; so blöd ist der Kardinal als Köln dann doch nicht. Außerdem ist es falsch, dass Kindergärten in Deutschland zur Pflicht gemacht werden sollen, das fordert keine Partei, die im gegenwärtigen oder zukünftigen Bundestag vertreten sein wird. Ebenfalls kaum erkennbar ist der Wunsch der Parteien, „noch mehr“ Einwanderer nach Deutschland zu rufen. Deutschland ist zwar ein Einwanderungsland, aber wohl kaum, weil hier viel nach Einwandern gerufen wird. Es sind die ökonomischen Gründe dafür verantwortlich, dass Deutschland so attraktiv für Einwanderer ist, obwohl hier kaum einer diese Einwanderer allzu herzlich empfängt.

  3. Bundeskanzlerin Merkel wird es ihm danken, wenn sie sich und ihre christliche CDU wohltuend von diesen christlichen Funktionsträgern abgrenzen kann.

    Den letzten Satz verstehe ich als scherzhafte Fußnote. Ernst kann das wohl kaum gemeint sein. Die CDU hat in großen Teilen des Parteikaders soviel mit dem Christentum gemeinsam wie Sie Herr Meyer mit Benedikt XVI. Wir sind in der Tat auf dem besten Weg zu einer sozialistisch geprägten Gesellschaft, getarnt mit demokratisch eingefärbter Tünche. Mir scheint, sobald Kardinal Meissner sich dezidiert zu gesellschaftlichen Themen äußert, brennen bei vielen Zeitgenossen die Sicherungen mehr oder weniger heftig durch. Auch Sie haben sich den Mund nicht richtig abgewischt; etwas Schaum ist noch dran.

  4. Lieber Herr Palm, dass Deutschland auf dem besten Wege zum Sozialismus ist, halte ich für den größeren Scherz. Und dass sich Kardinal Meisner „dezidiert äußert“ ist für diesen Krawallmacher ein Lob, das kaum ausgeprägter ausfallen könnte. Dazu nur ein kleines Zitat aus dem im Artikel verlinkten Interview:

    Wir sind ein sterbendes Volk, haben aber eine perfekte Gesetzgebung für Abtreibung. Ist das nicht die Selbsttötung einer Gesellschaft?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.