Phänomen Mietnomaden wird überschätzt

Immer mal gerne wird im kommerziellen Fernsehen das Problem Mietnomaden darstellt. Mietnomaden sind Menschen mit betrügerischer Absicht, die Wohnungen anmieten, aber nicht ans Bezahlen der Miete denken. Stattdessen vermüllen sie die Wohnung oder schädigen deren Grundsubstanz. Da das Verhalten der Mietnomaden das Wohnumfeld belastet, entstehen dem Vermieter hohe Schäden, auch weil andere Mieter das Weite suchen oder Mietminderungen durchsetzen. Nun wurde allerdings durch eine Studie von Professoren der Uni Bielefeld festgestellt, dass Mietnomaden überwiegend ein Medien-Phänomen sind, die in der Praxis kaum vorkommen.

Hat man es als Vermieter mit einem Mietnomaden zu tun, dann drohen hohe Kosten und viel Ärger. Denn das deutsche Mietrecht erlaubt nur ein langfristiges und gestuftes Reagieren auf das Verhalten von Mietern, die nicht die Absicht haben, ihre Miete zu zahlen und pfleglich mit der Mietsache umzugehen. Zunächst muss der Vermieter zwei Monate abwarten, bevor er Kündigungsabsichten umsetzen kann. Dann sind diverse Fristen einzuhalten und auch das gerichtliche Verfahren gegen den Mietnomaden kann sich schnell über mehr als ein Jahr hinziehen, bevor eine wirksame Räumungsklage durchsetzbar ist.

Wenn es also ein Problem Mietnomaden geben sollte, dann wäre gesetzgeberisches Handeln angesagt, um die Mietnomaden von den Mietern zu trennen, die aus wirtschaftlichen Gründen in eine Schieflage geraten sind und daher nicht mehr ihre Miete zahlen können. Solche gesetzlichen Maßnahmen (auch gegen Mietnomaden) werden von Interessenverbänden der Vermieter immer mal wieder gefordert und von der gegenwärtigen Bundesregierung auch wohlwollend behandelt.

Deshalb war es sicherlich sinnvoll, dass das Bundesbauministerium Wissenschaftler damit beauftragt hat, zu untersuchen, welchen quantitativen Umfang das Phänomen Mietnomaden hat. Ob und wie die gefundenen Daten (ca. 50 Fälle von Mietnomaden pro Jahr) zu interpretieren sind, ist zwischen dem Mietervereinen und den Hausbesitzer-Verbänden strittig. Während die einen das Phänomen Mietnomaden damit für erledigt halten, gehen die andern nur von einer Spitze des Eisbergs aus.

Klar ist auf jeden Fall, dass der Vermieter einiges dafür tun kann, um sich vor Mietnomaden zu schützen. Profi-Vermieter haben dafür sehr einfache Strategien, bei denen nicht alles geglaubt wird, was der zukünftige Mieter erzählt, sondern bei denen man Fakten recherchiert oder mit Dokumenten sich belegen lässt. Mit diesen einfachen Mitteln kann man dafür sorgen, dass man das Phänomen Mietnomaden nur noch im Fernsehen erleben kann.

Deutschland

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