Beipackzettel für Finanzprodukte?

Beipackzettel kennt jeder und liest kaum einer, warum sollten diese also noch zusätzlich für Finanzprodukte eingeführt werden? Diese provokative Frage verkennt aber die Wirksamkeit der Beipackzettel, die auch dann wichtig sind, wenn die Beipackzettel nicht gelesen werden. Denn ein Beipackzettel bei Medikamenten muss Informationen über Dosierung und Nebenwirkungen enthalten; wenn diese Informationen auf dem Beipackzettel falsch sind, dann ergibt sich später daraus ein Schadensersatzanspruch, sogar wenn man diesen Beipackzettel nicht gelesen hat.

Nun sind Beipackzettel für Finanzprodukte in der Diskussion. Denn die Finanzkrise des Jahres 2008 wird wesentlich auf zu komplizierte und intransparente Finanzprodukte zurückgeführt. Man erwartet beim Verbraucherministerium im Berlin wohl, dass durch die Einführung der Beipackzettel für Finanzprodukte die Kunden kritischer werden und sich seltener intransparente und komplizierte Finanzprodukte verkaufen lassen.

Bereits vor einigen Monaten hatte ich auf Vorüberlegungen zum Produktinformationsblatt des Bundesverbraucherschutzministeriums für Geldanlagen hingewiesen und die Meinung vertreten, dass dieser sehr hilfreich sein kann, wenn man ihn als Analyseinstrument für zu kaufende Finanzprodukte verwendet. Einige Ideen dieses Produktinformationsblattes für Finanzprodukte kommt nun als Vorschlag des Bundesverbandes deutscher Banken für einen Beipackzettel auf den Tisch. Offensichtlich wollen die privaten Banken damit eine gesetzliche Regelung zum Beipackzettel für Finanzprodukte vermeiden. Da passt es auch ganz gut, wenn jeder Anbieter für Finanzprodukte seinen eigenen Beipackzettel entwickelt und damit dem Verbraucher den Vergleich erschwert, wie man im finanze-blog.de nachlesen kann.

Sowohl an den Vorschlägen der Banken wie an dem Muster-Beipackzettel zu Finanzprodukten des Bundesverbraucherschutzministeriums wird nicht nur deshalb Kritik geübt: Es würden zu viele Fachbegriffe verwendet, die der normale Anleger nicht verstehen kann. Damit entsprechen auch die Beipackzettel für Finanzprodukte den Beipackzetteln für Medikamente, die ebenfalls oft sehr unverständlich sind.

Es gibt also noch viel zu tun, um dem Verbraucherschutz bei Finanzprodukten zu fördern. Eine Einheitlichkeit in der Struktur der Beipackzettel könnte hilfreich sein, ebenso die Bedingung, dass auch die Risiken des jeweiligen Finanzprodukts klar zu benennen ist. Und die Aussagen der Beipackzettel für Finanzprodukte kann auch später nach Fehlschlägen geprüft werde

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