Ergebnisse der Bundestagswahl im September auf den Kapitalmarkt

Wie bei jeder politischen Wahl wird der Ausgang der nächsten Bundestagswahl auch Auswirkungen auf die Börsen haben. Denn die politischen Konstellationen, die danach neu aufgebaut werden müssen, werden auch Auswirkungen auf Wirtschaftspolitik und Sozialpolitik haben und diese Bereiche sind sehr entscheidend für die Handlungen der Käufer und Verkäufer auf Kapitalmärkten.
Insbesondere die großen deutschen Aktiengesellschaften werden durch unterschiedliche politische Konzepte in Berlin stark beeinflusst.

Die Meinungsforschungsinstitute favorisieren schon seit einigen Monaten eine schwarz-gelbe Koalition (CDU/CSU gemeinsam mit der FDP). Dies hängt wesentlich damit zusammen, dass beide Seiten schon länger eine strategische Partnerschaft anstreben und anderseits auch seit langen – wenn auch knapp – gemeinsam über 50 % Stimmanteil in den Umfragen haben. Als Alternative zu Schwarz-Gelb hätte allenfalls Rot-Rot-Grün (SPD gemeinsam mit Linkspartei und Grünen) die Option auf eine Mehrheit, doch insbesondere die SPD lehnt die Zusammenarbeit im Bund mit den Linken um Lafontaine und Gysi gegenwärtig noch ab. Somit wäre die einzige Alternative das „Weiter wie bisher“: große Koalition aus SPD und CDU/CSU.

Käme es aber (wie von den Meinungsforschern erwartet) zu einer schwarz-gelben Regierung, dann müssten in den Tagen nach der Bundeswahl die Aktienkurse von vielen deutschen Aktien nach oben gehen. Denn eine schwarz-gelbe Regierung würde möglicherweise (so die Erwartung von vielen ihrer Anhänger und Wähler) bestimmte Entscheidungen der letzten Jahre rückgängig machen bzw. nicht fortführen. Relevant ist das zum Beispiel bei den Energiekonzernen, die gerne ihre alten Atommeiler weiter betreiben würden. Bereits unter der rot-grünen Regierung von Gerhard Schröder wurden Ausstiegsszenarien vereinbart, die vor allem in den nächsten Jahren zu vielen Abschaltungen noch lauffähiger Atomkraftwerke führen müssten. Schwarz-Gelb könnte diese Gesetze zurücknehmen und damit die Profite und die Aktienkurse der Energiekonzerne nach oben bringen. Im Falle der Fortführung der Großen Koalition wäre der Effekt aber genau umgekehrt. Aus Enttäuschung über die zu erwarteten Abschaltungen der alten Atommeiler müssten die Kurse der Energiekonzerne fallen.

Diese „wirtschaftsfreundliche“ Sichtweise zu den wahrscheinlichsten Konstellationen nach der Bundestagswahl lässt sich generell auf den gesamten deutschen Aktienmarkt ausdehnen. Wie sich aus einer Analyse der Schweizer Bank UBS ergibt, wird in den Branchen Auto-Produktion, Chemie, Maschinenbau, Stahl, Kreditinstitute und Versicherung davon ausgegangen, dass ein schwarz-gelber Wahlsieg die Renditechancen verbessern. Bleibt die SPD an der Regierung, dann geht man von einer Ausweitung der Mindestlohnbereiche und einer zurückhaltenden Streichung bei Sozialleistungen aus; Gründe die beim normalen Anleger für Kaufzurückhaltung bei deutschen Aktien sprechen.

Hauptgrund für diesen generellen Auftrieb für deutsche Aktien ist das Steuer- und Sozialkonzept der FDP. Allerdings sollte man bei den Autoaktien berücksichtigen, dass diese infolge des Wegfalls der Abwrackprämie zunächst unter starken Nachfragerückgängen leiden werden.

Wenn die Prognosen der Meinungsforscher also eintreten, dann sollte man bereits gut im deutschen Aktienmarkt investiert sein. Allerdings lagen deren Prognosen in den letzten Jahren und Jahrzenten häufig daneben. Insbesondere bei den linken Parteien ist schwer einschätzbar, wie gut sie am Wahltag ihre Anhänger mobilisieren können. Die relativ hohe Wahrscheinlichkeit des „Weiter wie bisher“ erklärt auch, warum der Wahlkampf bisher noch kein allzu starkes Interesse hervorgerufen hat. Für Anleger, die bisher noch nicht investiert sind, bedeutet dies, dass sie ihre Entscheidung sehr kurzfristig treffen sollten.

Finanzen

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