Geringe Wechselbereitschaft der Verbraucher beim Energie-Anbieter

Angesichts laufend gestiegener Energiepreise und Kritik an der Untätigkeit der Politik hatte Bundeswirtschaftminister Rainer Brüderle die Verbraucher aufgefordert, aktiver den Wechsel der Strom- oder Gas-Anbieter anzugehen. Aus der Sicht einer marktwirtschaftlichen Politik macht diese Aufforderung Sinn. Denn nur wenn die Verbraucher flexibel und schnell zum günstigsten Anbieter wechseln, funktioniert die Marktwirtschaft. Nur dann entsteht Wettbewerbsdruck, der auch zur Senkung der Preise führen kann. Bleiben dagegen die Verbraucher, aus welchen Gründen auch immer, beim traditionellen Anbieter von Strom oder Gas, dann gibt es keinen Wettbewerbsdruck, die monopolartigen Strukturen bleiben erhalten und laufende Kostensteigerungen belasten das Budget der Verbraucher.

Tatsächlich ist es so: Obwohl es sehr einfach ist, denn Strom- oder Gasanbieter zu wechseln, machen dies vergleichsweise wenig Verbraucher. So berichtete das Handelsblatt, dass nur jeder fünfte Haushalt innerhalb der letzten 12 Jahre des Stromanbieter gewechselt hat. Beim Anbieter für Gas sollen es noch weniger sein, die die Liberalisierung der Märkte genutzt haben. Dies widerspricht zunächst der traditionellen marktwirtschaftlichen Theorie, nach der die Verbraucher stets den günstigen Anbieter für Waren und Dienstleistungen wählen (ökonomisches Prinzip). Faktisch geben sie damit deutlich mehr Geld für den Energiebezug aus, als notwendig wäre.

Warum handeln die Verbraucher anscheinend so unvernünftig? Könnte es vielleicht daran liegen, dass viele wirtschaftliche Entscheidungen der Verbraucher sich gar nicht an Kostensenkung und niedrigem Preis orientieren? Klar ist auf jeden Fall, dass der Bezug der Energie in Form von Gas oder Strom mit Ängsten in Bezug auf die Versorgungssicherheit gekoppelt sind. Da möchte man als Verbraucher keine Risiken eingehen und bleibt beim traditionellen Anbieter. So haben auch viele Verbraucher beim (inzwischen populären) Wechsel des Telekommunikationsanbieters die Erfahrung gemacht, dass viel schief laufen kann. Auch von Bekannten und Verwandten konnte man oft hören, dass es wochen- oder monatelang Probleme mit dem neuen Anschluss gab. Solches Risiko will man bei existenziell wichtiger Versorgung mit Strom oder Gas nicht haben.

Faktisch existieren solche Risiken beim Anbieterwechsel für Strom und Gas nicht; denn die technischen Systeme sorgen für ungehinderte Energiezufuhr und der Anbieter wird lediglich per Vertrag zum Lieferanten, ohne direkt auf die konkrete Energiezufuhr Einfluss zu nehmen. Offensichtlich muss die Politik dies stärker verdeutlichen, um die Ängste der Verbraucher einzudämmen. Dann könnte auch der Wettbewerb auf den Strom- und Gasmärkten besser funktionieren und alle Verbraucher könnten sich an niedrigen Preisen erfreuen.

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