Kosten für berufliche Ausbildung als Werbungskosten absetzen

Wer eine berufliche Ausbildung (z.B. ein Studium oder die kostenintensive Ausbildung zum Flugpiloten) umsetzt, der hat hohe Kosten und möchte diese steuerlich geltend machen. Hierfür kommen Werbungskosten oder Sonderausgaben in Frage. Werbungskosten könnten auch über mehrere Jahre zum Vorteil werden, wenn man hohe Ausbildungskosten als Verlustvortrag auf späteres Einkommen ansetzen könnte. Nun hat der Bundesfinanzhof entschieden, dass nach einer Schulausbildung das Erststudium oder die Erstausbildung in diesem Sinne steuerlich absetzbar sind.

Bei einem typischen Fall, den der Bundesfinanzhof entschieden hat, ging es um eine Ausbildung zum Berufspiloten, die für den Steuerpflichtigen zu 28.000 Euro Aufwendungen führten. In seiner Einkommensteuererklärung wollte er diese Kosten als Verlustvortrag berücksichtigt wissen. Dies hätte die Konsequenz gehabt, dass die Kosten auch in den Folgejahren noch steuermindernd wirksam geworden wären.

Der Kläger argumentierte, dass die Berufsausbildungskosten Werbungskosten in Bezug auf seine zukünftige Tätigkeit als Flugpilot seien. In einem ähnlichen Fall hatte eine Medizinstudentin ihre Studienkosten als Werbungskosten geltend gemacht, auch mit dem Ziel Einkommenssteuer in den Folgejahren zu sparen. Die Finanzämter lehnten die Anrechnung der Berufsausbildungskosten als Werbungskosten ab und bezogen sich auf § 12 Nr. 5 des Einkommensteuergesetzes. Sofern die Berufsausbildung nicht in Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfinde, sollten sie nicht als Werbungskosten geltend gemacht werden können. Die Finanzgerichte folgten der Argumentation der Finanzämter. Erst der Bundesfinanzhof kam jetzt zu einer anderen Entscheidung. Denn der eben verlinkte Paragraph sei unter Anwendung von § 10 Abs. 1 Nr. 7 Einkommensteuergesetz anders zu interpretieren.

Zitat aus der eingangs verlinkten Pressemitteilung des Bundesfinanzhofs:

Denn danach greife der Grundsatz, dass Aufwendungen nur dann als Sonderausgaben abziehbar sind, wenn nicht der vorrangige Werbungskosten- und Betriebsausgabenabzug zur Anwendung kommt. In beiden Fällen seien aber die Kosten der Ausbildung hinreichend konkret durch die spätere Berufstätigkeit der Kläger veranlasst, so dass sie als vorweggenommene Werbungskosten berücksichtigt werden müssten. Zitatende

Es ist schon die Meinung geäußert worden, dass diese neue Interpretation des Bundesfinanzhofs schnell vom Gesetzgeber durch eine Gesetzesänderung geschlossen werden könnte. Für jetzt in der Berufsausbildung stehende bedeutet dies aber, dass sie gegenwärtig die neue Interpretation zur steuerlichen Anrechnung von Ausbildungskosten noch nutzen können. Dafür müssen aber die Ausbildungskosten als Werbungskosten dokumentiert und dem Finanzamt gegenüber deutlich gemacht und beantragt werden.

Finanzen

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