Mehr Kontrolle am Grauen Kapitalmarkt

Neben dem regulären Kapitalmarkt, der durch Börsenaufsicht und starke Medienbeachtung einer gewissen Kontrolle unterliegt, gibt es noch den Grauen Kapitalmarkt, der definitionsgemäß nicht einer staatlichen Finanzaufsicht unterliegt. Zum Grauen Kapitalmarkt können Schiffsgeschäfte und Immobilien in zukünftigen Touristenregionen gehören; aber auch Glückspielbeteiligungen oder Investments in ausländische Windparks werden zum Grauen Markt gerechnet, der damit ein recht buntes Bild abgibt. Entscheidend ist in jeden Fall: Beim Grauen Markt fehlt es an offizieller Aufsicht und auch oft an einer differenzierten Medienberichterstattung, wodurch Anlagen des Grauen Kapitalmarkts deutlich schwieriger einschätzbar sind hinsichtlich ihres Risikopotentials. Die Graumarkt-Angebote werden auch über sehr unterschiedliche Vertriebswege angeboten: Telefonwerbung und Prospektwerbung über die Post werden genauso praktiziert wie herkömmliche Anzeigenwerbung in kleineren Publikationen und in den letzten Jahren verstärktes Internet-Marketing z.B. über E-Mails.

Der Graue Kapitalmarkt ist nicht erst durch die Turbulenzen der Geldmarktkrisen seit 2008 ins Gerede gekommen. Verbraucherschützer fordern schon lange eine stärkere Kontrolle der unkontrollierten Produkte des Grauen Marktes. Kürzlich meldete AFP, dass auch das Bundeswirtschaftsministerium und Bundesfinanzministerium die Kontrolle des Grauen Kapitalmarkts planen: Zwar bleiben die Verkäufer von Produkten des Grauen Marktes unter der Kontrolle der Gewerbeaufsicht und werden nicht wie vielfach gefordert, der Kontrolle der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) unterstellt, aber hier soll eine stärkere Reglementierung greifen. So sollen die Verkäufer von Produkten des Grauen Kapitalmarkts eine bessere Ausbildung nachweisen müssen. Außerdem sollen auch für sie die üblichen Regelungen beim Wertpapierverkauf angewandt werden: Es soll eine Pflicht zur Beratung und Information der Käufer geben, die auch durch Protokolle zu dokumentieren ist. Ein Gesetz könnte noch dieses Jahr auf den Weg gebracht werden. Ob die vorgeschlagenen Regelungen ausreichend sind, Auswüchse am Grauen Markt einzudämmen, wird zwar bezweifelt, aber da es bisher überhaupt keine Regelungen gibt, wäre ein Gesetz zur Schaffung von gewissen Maßstäben von Kontrolle und Transparenz auf dem Grauen Kapitalmarkt ein Fortschritt.

Bei Cash-Online hat man berichtet, dass der Verzicht der Unterstellung des Grauen Marktes unter die Aufsicht der BaFin auf das Bundeswirtschaftsministerium zurückgehe. Dies wird als Lobbyerfolg der Finanzdienstleistungsbranche eingeschätzt.

Finanzen

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