Stiftung Warentest testet Bankberatung in der Wirtschaftskrise

Vielen Bankkunden ist nicht ausreichend klar, dass der jeweilige Berater unter einer verzwickten Interessenlage steht. Einerseits möchte er den Kunden umfassend und kompetent beraten, anderseits bekommt er bzw. sein Arbeitgeber sehr unterschiedliche Provisionen, je nachdem welches Produkt der Kunde als Anlageform schließlich wählt.

Vielen Kunden ist auch schon aufgefallen, dass die Berater der Banken oder Sparkassen eine Vorliebe für die eigenen Produkte haben. Dies ist auch wenig überraschend, denn jedem muss klar sein, dass er bei einem Verkäufer kaum Tipps und Hinweise bekommt, wie er ein gutes Produkt bei einem anderen Händler bekommen kann. Allerdings herrscht bei einigen Kunden in Fragen der Anlage immer noch die Vorstellung, dass ihr Bankberater ein „Bankbeamter“ ist, der unabhängig von Interessenlagen zu beraten hat. Es gibt zwar unabhängige Berater; diese lassen sich aber ihre Leistung vergüten. Für den Kunden ist die übliche Bankberatung bei der Hausbank oder Sparkasse allerdings kostenlos. Deshalb sollte dem Kunden klar werden, dass diese umfangreiche und teure Beratung ja durch das Institut refinanziert werden muss. Hier sollte man gezielt nachfragen, eine zweite Meinung einholen oder sich durch Recherchen im Internet und über Verbraucherzeitschriften kundig machen.

Dass diese Überlegungen zur unguten Verquickung der Interlage der Banken mit der Interessenlage des Kunden auch faktisch ein Problem ist, hat Ende 2009 ein Test zur Qualität der Anlageberatung gezeigt, der auf der Website der Stiftung Warentest umfassend dokumentiert ist. Die für die Banken und Sparkassen nicht erkennbaren Testkunden gaben vor, 30.000 Euro für fünf Jahre sicher anlegen zu wollen und setzten als Zielmarge eine Rendite von 4 %. Damit stellten sie der jeweiligen Bankberatung ein kaum lösbares Problem, denn weder jetzt noch Ende 2009 war eine sichere Anlage mit einer so hohen Rendite möglich. Die Bankberatung hätte diesen Umstand deutlich werden lassen müssen. Dies ist nach Ansicht der Testauswerter keinem Institut gut gelungen. Nur drei von 21 Geldinstituten lösten die Aufgabe einigermaßen befriedigend. Die Testauswerter kritisierten vor allem, dass der jeweilige finanzielle Background des Kunden nicht angemessen abgefragt wurde. Hier hätten die Bankberater den Ansatzpunkt finden müssen, um dem Kunden klar vor die Entscheidung mehr Risiko oder mehr Sicherheit zu führen. Stattdessen wurden von einigen Geldanlageberatern nicht sehr sichere Aktienfonds oder gar unrentable private Rentenversicherungen empfohlen. Hier verweist die Testauswertung darauf, dass solcher (hier unzureichenden) Varianten der Gelderanlage des beratenden Instituts besonders viel Provision eingebracht hätte.

Die Bankberatung bei den deutschen Einrichtungen war bereits seit Beginn der Wirtschaftskrise Ende 2008 auch hierzulange sehr stark in die Kritik geraten. Denn durch diverse Pleiten hatten sich viele empfohlene Papiere als hochriskante Flops herausgestellt, die manche Kunden viel kosteten. Hochspekulative Anlagen zeigten über Nacht, dass diese Risiko auch tatsächlich eintreten kann, aber viele Kunden erklärten, dass dieses spekulative Moment ihnen nicht von der Bankberatung erklärt worden wäre. Der Gesetzgeber hat zwischenzeitlich darauf reagiert und von der Beratung bei Banken und Sparkassen mehr Transparenz und mehr Dokumentation verlangt.

Finanzen

Sie können Sie einen Kommentar hinterlassen or unseren Feed abonnieren, wenn Ihnen dieser Beitrag gefallen hat.

Kommentare

Ein Kommentar zu “Stiftung Warentest testet Bankberatung in der Wirtschaftskrise”

Einen Kommentar schreiben

(Pflichtfeld)

(Pflichtfeld)