Depression und Arbeit
Depression als Erkrankung steht in einem starken Zusammenhang mit der Arbeit. Denn die Arbeit ist immer noch bei vielen Menschen der Mittelpunkt des Lebens. Dies gilt sogar verstärkt für Arbeitslose, denn diese beschäftigen sich noch intensiver als die Beschäftigten mit den Möglichkeiten, Arbeit zu bekommen und sind häufig vor schwierige Entscheidungssituationen gestellt (Umzug, Pendeln, Einkommens- oder Qualifikationsverlust).
Nun hat eine neue Studie der Bundespsychotherapeutenkammer zur Depression diesen Zusammenhang zwischen Arbeit und Depression bestätigt und konkretisiert. Deren Einschätzung nach haben sich die Fehlzeiten bei der Arbeit bzw. die Krankschreibungen in der Arbeitslosigkeit, die durch psychische Probleme wie Depression bedingt sind, in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Dieser Effekt durch Depression ist besonders bemerkenswert, denn generell ist die Zahl der Krankheitstage seit langer Zeit im Trend rückläufig. Besonders betroffen von der Depression in der Arbeit seien Call-Center-Mitarbeiter, Dienstleistungen allgemein und die Tätigkeiten in Gesundheits- und Sozialberufen. Hier könnte man auf einen Zusammenhang von Depression mit besonderen beruflichen Stress schließen, was aber meiner Meinung nach zu allgemein gedacht ist, denn das Phänomen Stress kann auch positive Wirkungen haben.
Die Experten zur Depression gehen auch eher davon aus, dass fehlende Gestaltungsmöglichkeiten im Leben und bei der Arbeit als Gründe für eine Depression in Frage kommen. Wenn das Gefühl entsteht, man ist nicht mehr handlungsfähig, dann nimmt die Planungskompetenz automatisch ab. Deshalb ist es auch nicht erstaunlich, dass Arbeitslose häufiger mit der Depression zu tun bekommen, als Beschäftige auf einem Arbeitsplatz mit Gestaltungsmöglichkeiten.
Wird eine Depression richtig diagnostiziert, dann gibt es eine Vielzahl von Therapie-Möglichkeiten gegen Depression, die mit guten Erfolgsaussichten angegangen werden können. Wichtig ist nur, dass die Depression auch erkannt wird. Patienten, die ein dauerhaft wirksames Gefühl der Niedergeschlagenheit bei sich beobachten und zugleich einschätzen, dass ihre Handlungsmöglichkeiten in oder neben der Arbeit gering sind, sollten deshalb einen Arzt ihres Vertrauens auf das Thema Depression aufmerksam machen. Dieser kann dann Fachkollegen einschalten, um die Diagnose zu klären.
Beliebt ist bei vielen Patienten die Idee, pharmazeutische Mittel (Antidepressiva) gegen die Depression einzusetzen. Es wäre doch so einfach, nur regelmäßig eine Pille zu schlucken, um der Depression zu entkommen. Allerdings wird auf Blogspan.net die Position vertreten, dass solche Medikamente gegen Depression nur bei schweren Fällen helfen können.
Ich verwende im Zusammenhang mit Depression und Arbeit allerdings ein anderes Argument. Wenn die Depression mit der subjektiv empfundenen fehlenden Gestaltungsmöglichkeit bei der Arbeit zu tun hat, dann sollte man sich diesem Problem stellen und seine Ressourcen aktiven, um diesem Problem bei der Arbeit auf den Grund zu gehen. Eine solche Auseinandersetzung kann möglicherweise durch Antidepressiva unterstützt werden; entscheidend ist aber, dass man die Zeit mit einem psychotherapeutischen Experten nutzt, um hier für sich Klarheit zu gewinnen.
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