Lauterbach: Private Krankenversicherung unter Kostendruck

Karl Lauterbach ist Experte für die deutsche Gesundheits-Ökonomie und als SPD-Bundestagsabgeordneter sehr häufig mit praktischen Fragen der Gestaltung der deutschen Krankenversicherungen befasst. In einem Interview mit der Verbraucher-Magazin Wiso gibt er einige Hinweise, wie sehr die private Krankenversicherung in den nächsten Jahren unter Kostendruck kommen könnte.

Dieser Kostendruck in der privaten Krankenversicherung wird von Lauterbach mit einer allgemeinen Gesetzmäßigkeit und einer aktuell geänderten Rechtssprechung begründet. Zum einen hat die private Krankenversicherung keine Kostenbremse, wenn die Leistungen für die Versicherten ansteigen. Zum anderen habe der europäische Gerichtshof kürzlich Unisex-Versicherungstarife, die auch für die private Krankenversicherung relevant sind, eingefordert. Letzteres könnte vor allem für jüngere Männer zu starken Kostensteigerungen bei der privaten Krankenversicherung führen.  Man könne davon ausgehen, dass alle 12 Jahre sich die Beiträge verdoppeln.

Aber im bisherigen System der Krankenversicherung gebe es natürlich Gewinner und Verlierer. Zu den Gewinnern zählen die Beamten, die große Teile ihrer Gesundheitskosten direkt durch den Staat finanziert bekommen (Beihilfe). Diese stabilisieren die privaten Krankenversicherungen. Zu den Verlierern gehören alle, die nicht mehr in die gesetzliche Krankenversicherung zurückkommen können, beispielsweise weil sie die Altersgrenze von 55 Jahren überschritten haben. Hier geht es wohl um den § 6 Abs. 3a des Fünften Sozialgesetzbuches, der Rückkehrmöglichkeiten in die die gesetzliche Krankenversicherung beschränkt. Ein besonderes Risiko tragen in diesem Zusammenhang geschiedene Frauen von Beamten, die bisher über ihren Ehepartner privat mitversichert waren.

Auch für die gesetzliche Krankenversicherung sieht Lauterbach längerfristig einen erheblichen. Auf finanz-ratgeber.de gab es zwar Anfang des Jahres Hinweise, dass die Einnahme-Situation der gesetzlichen Krankenkasse in 2011 noch ganz gut ausfällt. Lauterbach geht jetzt davon aus, dass nach einem Regierungswechsel über Steuermittel eine weitere Dämpfung der Kostenentwicklung bei den gesetzlichen Krankenkassen politisch umgesetzt wird. Sollte es so kommen, dann würden die Mitglieder der privaten Krankenversicherung über ihre Steuern die günstigeren Tarife bei der gesetzlichen Krankenversicherung mitfinanzieren.

Lauterbach sieht auch Möglichkeiten zur Begrenzung der steigenden Kosten im Gesundheitssystem. Insbesondere die strikte Trennung von niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern hält er für wenig zukunftsfähig. Ebenfalls gute Möglichkeiten für Kostensenkungen sieht er in der stärkeren Reglementierung von Arzneimittelpreisen, wie sie jetzt schon in Festbetrags- und Rabattregeln wirksam werden.

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