Organspende wird neu positioniert

Deutschland hat nach Ansicht der meisten Gesundheitsexperten zu wenige Organspenden. Man braucht wohl zu lange, um nach einem Todesfall die notwendige Einwilligung zur Organspende zu überprüfen bzw. bei den Verwandten zu bekommen. Deshalb stoßen die neuen Pläne des Gesundheitsministeriums zur Organspende auf starkes Interesse, aber nicht nur auf Zustimmung.

Organspende wird neu positioniert

Organspende wird neu positioniert

Gegenwärtig ist es so, dass man bereits zu Lebzeiten seine Bereitschaft zur Organspende erklären kann, beispielsweise durch Ausfüllen eines Organspende-Ausweises, so wie er hier abgebildet ist. Doch viele scheuen dies, weil sie zu Lebzeiten nicht jedesmal an den Tod erinnert werden wollen, wenn sie in ihre Ausweismappe schauen. Außerdem denken erstaunlich viele Deutsche, dass es für sie im Falle des Falls schlecht wäre, wenn die Ärzte zu früh davon erfahren, dass sie eine Bereitschaft zur Organspende haben.

Um die zu geringe Bereitschaft zur Organspende zu steigern, hat man sich jetzt bei den Politikern in Berlin etwas Neues einfallen lassen. Die Bereitschaft zur Organspende soll zwar freiwillig bleiben, aber die Menschen sollen regelmäßig per Brief dazu aufgefordert werden, ihre Organspende freiwillig zu erklären. Doch halt, diese Formulierung ist polemisch geraten. Tatsächlich geht es um Folgendes: „Jeder Erwachsene in Deutschland wird künftig regelmäßig per Brief aufgefordert, sich für oder gegen eine Spende nach dem Tod zu entscheiden.“ (Zitat aus dem eben verlinkten Artikel).

Ob diese „Nerv-Strategie“ die Akzeptanz von Organspenden verbessert, bleibt abzuwarten. Die psychologischen und emotionalen Vorbehalte gegen Organspenden werden durch regelmäßige Erinnerungsbriefe wohl nicht direkt überwunden. Möglicherweise hilft ja ein Blick in andere europäische Länder weiter, wenn man die Akzeptanz von Organspenden verbessern will. Dort gibt es nämlich die Widerspruchslösung zur Organspende: Zunächst wird davon ausgegangen, das jeder Mitbürger im Fall der Fälle zur Organspende bereit ist; wer das nicht möchte, muss aktiv (beispielsweise durch ein Ausweispapier) sich gegen die Organspende aussprechen. Aber weder die deutsche Bürokratie noch das deutsche Gesundheitswesen ist für einfache Lösungen bekannt.

Bildnachweis: © Birgit Reitz-Hofmann – Fotolia.com

 

Gesundheit

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