Ständige Erreichbarkeit führt zu psychischen Beschwerden

Urlaub oder Freizeit bedeuten, dass man Ruhe vor der Arbeit und dem Chef hat. So soll es früher einmal gewesen sein, doch inzwischen sind viele Beschäftigte rund um die Uhr für ihre Firma verfügbar. Doch die neue Flexibilisierung mittels Handy und E-Mail hat ihren gesundheitlichen Preis, wie eine aktuelle Untersuchung der AOK ergeben hat.

Ständige Erreichbarkeit führt zu psychischen Beschwerden

Ständige Erreichbarkeit führt zu psychischen Beschwerden

Am Anfang wollten alle das neue Firmen-Smartphone haben. Denn mit dem schicken Premium-Handy konnten überall gut angegeben werden. Dumm nur, dass jetzt der Chef auch mal am Wochenende oder im Urlaub nerven konnte. Ähnliche Erfahrungen machten Mitarbeiter, die einen privilegierten Zugriff auf ihr betriebliches E-Mail-Konto von zu Hause und aus dem Urlaub bekamen. Nun wurden sie sanft darauf hingewiesen, dass sie auch regelmäßig nebenher in der Freizeit die E-Mails kontrollieren sollten.

Diese nervigen Konsequenzen moderner Arbeitszeitflexibilisierung haben allerdings auch gesundheitliche Konsequenzen, wie der aktuelle Fehlzeitenreport der AOK ergeben hat. Die neue Arbeitszeitflexibilisierung bringt die Beschäftigten an die Grenzen ihrer psychischen Belastbarkeit. Hohe Fehlzeiten sind dann die Folge.

Der Fehlzeitenreport wurde durch eine repräsentative Befragung von Arbeitnehmern ermöglicht. Die Untersuchung zeigt auf, dass jeder dritte Beschäftigte häufig oder sehr häufig während der Freizeit von seinen Betrieb kontaktiert wird. So wird die Freizeit oft in unbezahlte Überstunden umgewandelt. Aber auch reguläre Überstunden an Wochenenden oder zusätzlich zur täglichen Arbeitszeit können so starke psychische Belastungen mit sich bringen, dass lange Fehlzeiten vorprogrammiert sind. Die Betriebe merken dies allerdings erst sehr spät und sind deshalb wenig motiviert die Überstunden zu reduzieren oder den Mitarbeitern zu verbieten, in der Freizeit kostenlos für ihre Firma zu arbeiten. „Wir wollen niemanden daran hindern, etwas Gutes für die Firma zu tun …“ bekommen Betriebsräte von den Chefs zu hören, wenn sie auf die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften dringen. Aber auch die Chefs und die Betriebsräte sind kein gutes Vorbild für die Mitarbeiter, weil beide Gruppen bekanntermaßen durch kostenlose Überstunden ihre Karriere voranbringen wollen.

Die AOK möchte gegen diesen Trend angehen, denn weitere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Zahl der registrierten psychischen Erkrankungen sich in den letzten Jahren verdoppelt hat. Und psychische Erkrankungen ziehen doppelt so viele Fehltage nach sich, wie die anderen Krankschreibungen.

Doch was kann gegen die zunehmende Selbstausbeutung der Beschäftigten unternommen werden? Sowohl die Chefs wie die Mitarbeiter sollten innehalten und einen Gang zurückschalten. Ob ein solcher Appell ausreichend ist, kann bezweifelt werden. Sowohl die Betriebe wie die Mitarbeiter müssen stärkere Vorgaben bekommen, was als Arbeit in der Freizeit noch zulässig ist; und die Betriebe könnten verpflichtet werden, solche Arbeiten in der Freizeit zu vergüten, um einen finanziellen Anreiz zu schaffen, entsprechende Tätigkeiten zu unterbinden oder klein zu halten.

Bildnachweis: © Picture-Factory – Fotolia.com

Gesundheit

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