Vorkasse bei der Krankenkasse bleibt umstritten

Viele Mitglieder einer Krankenkasse machen die Erfahrungen, dass es manchmal schwer ist, zeitnah einen Facharzt-Termin zu bekommen. Bevor man der Sprechstundenhilfe das gesundheitliche Problem erklären kann, wird zunächst gefragt, ob man gesetzlich oder privat versichert ist und ob eine Überweisung vom Hausarzt vorliegt. Fakt ist weiterhin, dass viele Fachärzte unterschiedlich Wartelisten für Privat- und Kassenpatienten führen. Da es weniger Privatpatienten gibt und diese besser honoriert werden, bekommen diese auch schneller einen Termin. Die aktuelle schwarz-gelbe Bundesregierung will nun über die Vorkasse beim Arzt auch den Mitgliedern der gesetzlichen Krankenkassen die Möglichkeit geben, die Privilegien einer bevorzugten Behandlung für sich zu nutzen. Ob diese „Privilegien“ aber wirklich hilfreich für die Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen sind, kann auch hinterfragt werden.

Heike Haarhoff berichtet heute in der taz sehr ausführlich über die neuen Möglichkeiten der Vorkasse bei der gesetzlichen Krankenversicherung. Sie sieht dadurch Deutschland auf den Weg in die „Drei-Klassen-Medizin„. Den durch die Vorkasse beim Arzt gibt es eine dritte Möglichkeit Leistungen im Gesundheitssystem zu bekommen und abzurechnen. Vorkasse gibt es jetzt schon bei Privatpatienten und Versicherten aus der privaten Krankenversicherung. Diese erhalten aber in der Regel alle Kosten zurückerstattet. Bei Mitgliedern der gesetzlichen Krankenkassen könnte die Vorkasse beim Arzt dazu führen, dass dieser eine Rechnung schreibt, die der bei einem Privatversicherten entspricht, dass aber die Krankenkasse nur das erstattet, was sie auch bei einem gesetzlich Krankenversicherten bezahlt. Der Patient der gesetzlichen Krankenkasse, der Vorkasse nutzt, hat also hohe Kosten zusätzlich für seine Gesundheit aufzubringen: Entweder indem er das zusätzliche Honorar aus eigener Tasche bezahlt oder eine teure Zusatz-Krankenversicherung abschließen muss.

Gerd Billen vom der Verbraucher Bundeszentrale schlägt als Alternative zur Vorkasse die Patientenquittung vor, wie auf besteprivatekrankenversicherung.com berichtet wurde. Dies hätte den Vorteil, dass der Patient ähnlich wie bei der Rechnung des Arztes eine komplette Übersicht über die gewährten Leistungen erhielte.

Bei den Überlegungen wird unterstellt, dass es immer von Vorteil ist, wenn man als privat Versichertet mit Vorkasse gegenüber dem Arzt auftritt. Diese Unterstellung ist aber problematisch. Wenn ich ein gesundheitliches Problem habe, dann habe ich auch als gesetzlich Krankenversicherter Anspruch auf eine zeitnahe und angemessene Diagnose und Therapie. Insbesondere wenn ein Akut-Problem vorliegt, braucht man sich nicht auf lange Wartelisten einzulassen. Patienten könnten daher bereits in der ersten Kommunikation mit der Sprechstundenhilfe ihr Problem in den Vordergrund stellen und Argumente oder Appelle geben, warum ein kurzfristiger Terminbedarf besteht. Besteht aber kein kurzfristiger Terminbedarf, wie z.B. bei einer jährlichen Routine-Untersuchung auf Blutzucker, dann besteht auch kein Grund für einen kurzfristigen Termin und damit ist es auch kein Vorteil, diesen zu bekommen.

Kleinere gesundheitliche Probleme (häufig bei z.B. bei gelegentlich auftretenden Rückenschmerzen zu beobachten) verschwinden oft von selbst und daher liegt sogar der Vorteil bei dem, der länger warten muss. Schließlich sollte man sich als Privatpatient auch mal Gedanken darüber machen, ob es denn tatsächlich ein Vorteil ist, dass der behandelnde Arzt durch zusätzliche Maßnahmen beim Privatpatienten mehr Geld bekommt, als wenn der gleiche Patient nur gesetzlich versichert ist. Aus der Wirtschaftswissenschaft ist bekannt, dass eine bessere Vergütung dazu motiviert, mehr Leistungen anzubieten. Wendet man diese Regel auf das Gesundheitssystem an, dann folgt daraus, dass den Privatpatienten mehr Leistung angeboten wird. Ob diese Mehrleistungen auch vom Vorteil für diese Patienten sind, müsste erst noch untersucht werden.

Gesundheit

Sie können Sie einen Kommentar hinterlassen or unseren Feed abonnieren, wenn Ihnen dieser Beitrag gefallen hat.

Kommentare

Ein Kommentar zu “Vorkasse bei der Krankenkasse bleibt umstritten”

Einen Kommentar schreiben

(Pflichtfeld)

(Pflichtfeld)