Vorkasse beim Arzt: Neue Belastung für Kranke

Für Mitglieder einer privaten Krankenversicherung ist die Vorkasse für Arztkosten selbstverständlich. Nachdem dieser nach dem Arztbesuch über Rechnung seine Leistungen gegenüber dem Kranken einfordert, ist das Mitglied der privaten Krankenversicherung auf die Vorkasse verweisen. Man zahlt die Arztrechnung und kann die Kosten bei seiner privaten Krankenversicherung zurückholen. Mitglieder der gesetzlichen Krankenkasse kennen die Vorkasse bisher noch nicht. Doch das möchte Gesundheitsminister Rösler jetzt ändern, wie die Financial Times Deutschland jüngst berichtete. Vorkasse beim Arzt, das könnte zu einer neuen Belastung für Kranke werden, die schon durch andere Maßnahmen der Gesundheitsreform gebeutelt sind.

Es sind weitreichende Ideen zur Verringerung des Abstandes zwischen gesetzlicher Krankenkasse und privater Krankenversicherung, bei denen die Vorkasse beim Arzt nur ein Mosaikstein bildet. Der Gesundheitsminister stört sich daran, dass sich gesetzlich Versicherte gegenwärtig auf viele Jahre im Voraus an einen bestimmten Tarif mit Kostenerstattung zu binden haben, wenn diese flexiblere Versicherungstarife nutzen wollen. Man hätte früher Erstattungstarife möglichst unattraktiv machen wollen. Diesem werde man jetzt entgegenwirken. Vorkasse sei hier nur ein Punkt und es stünde ja jedem frei, ob er überhaupt einen Tarif mit Erstattungsmöglichkeit wähle.

Begründet wird die Forderung nach Vorkasse gern mit der dadurch entstehenden Transparenz. Denn wenn die Kranken zeitnah nach dem Arztbesuch eine Rechnung erhalten, dann könnten sie ja sehen, was die Behandlung gekostet habe. Dafür wäre aber nicht unbedingt die Einführung der Vorkasse notwendig; es würde genügen, wenn der Arzt nach jedem Besuch eine Patientenquittung erstellt. Wie berichtet wird, gibt es nicht nur bei der Opposition sondern auch bei den Koalitionspartnern starken Widerstand gegen die Idee, Vorkasse nach dem Arztbesuch häufiger möglich zu machen.

Haufe.de berichtet, dass es dem Gesundheitsminister um den Abbau der Grenzen zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung gehe. Wo sich die Patienten versichern und zu welchen Konditionen, das sollte auf längere Sicht in die Hand der Versicherten gelegt werden, denn diese wüssten am besten, was für sie die beste Wahl sei. Dieses grundlegende liberale Credo ist bestimmend für die Gesundheitspolitik der gegenwärtigen Regierung. Aber man kann das Ganze natürlich auch anders sehen. Als Kranker brauche ich Hilfe vom Arzt, die soll mir effektiv gewährt werden. Mit Vorkasse und neuen Belastungen will ich da lieber nichts zu tun haben.

Gesundheit

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