Berliner Testament

Das „Berliner Testament“ ist eine in Deutschland sehr beliebte Variante des Testaments, wenn die Eheleute sich wechselseitig als Erbe einsetzen wollen und die Kinder zunächst noch keine Möglichkeiten bekommen sollen, an ihren Anteil aus dem Erbfall eines Verstorbenen zu kommen.

Kerngedanke beim Berliner Testament ist es, das beim ersten Todesfall zunächst das ganze Erbe an den verbleibenden Ehepartner gelangt, bevor dann nach dem zweiten Todesfall die Erbschaft endgültig an die Kinder verteilt wird.

Mit dem Berliner Testament soll ausgeschlossen werden, dass beim Todesfall eines Ehepartners bereits Streit zwischen Kindern und dem verbleibenden Elternteil darüber entsteht, ob und wie eine Immobilie verwertet werden soll. Insbesondere Eltern mit eigener Immobilie wollen nämlich mit dem Berliner Testament sich wechselseitig versichern, dass der jeweils überlebende Elternteil weiterhin uneingeschränkt die eigene Immobile für sich nutzen kann.

Hintergrund für ein Testament (ob als Berliner Testament oder in einer anderen Variante) ist die als unzureichend empfundene gesetzliche Erbfolge, an der sich auch durch das neue Erbrecht nichts geändert hat. Fehlt ein Testament, dann führt die gesetzliche Erbfolge in vielen Fällen dazu, dass dem überlebenden Ehepartner nur die Hälfte des gemeinsamen Vermögens zufällt, daher sind oft Immobilienverkäufe durch die miterbenden Kinder die Folge. Zwar kann auch durch das Berliner Testament kein Verzicht auf das Pflichteil der Erbschaft durch die Kinder erzwungen werden, doch wird dieser Verzicht implizit nahegelegt.

Es wird hierzu im Berliner Testament eine Formulierung verwendet, die bei der Beanspruchung eines Pflichtteils das jeweilige Kind für den nächsten Erbfall endgültig ausschließt. Damit wird das Beanspruchen des Pflichtteils für die Kinder unattraktiv, denn das Berliner Testament sorgt dafür, dass die Hälfte des möglichen Erbanspruches verloren geht.

Gegen das Berliner Testament sind gelegentlich Bedenken erhoben worden, weil hierdurch höhere Erbschaftssteuern die Folge sein könnten. Dies ist aber nur für sehr wertvollen Immobilen relevant. Wie bei magazin66.de beschrieben, fällt dieser Grund aber gänzlich weg, wenn der erbende Überlebende die Immobilie zehn Jahre oder länger nutzt.

Das Berliner Testament mit wechselseitiger Erbschaft eines Ehepaares ist also nach wie vor die beste Lösung, wenn es um Erbschaftsfragen geht, die Streitigkeiten mit den Kindern ausschließen soll.

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