Der Google-Effekt zum Gedächtnis

Wenn man heute nach typischen Lernaufgaben gefragt wird, dann kommt man schnell auf die Antwort, wenn man auf das Internet zurückgreifen kann. Dies kann sogar als Argument für die Schulbildung wichtig werden. Denn warum sollte man etwas lernen, was man jederzeit und überall nachschlagen kann. Ein Bericht der amerikanischen Zeitschrift Science hat kürzlich bestätigt, dass dieser Google-Effekt zum Gedächtnis schon Realität ist.

Durch das Internet seien inzwischen so anspruchsvolle algorithmische Suchmaschinen verfügbar, dass man jederzeit schnell auf relevante Informationen zurückgreifen könne. Man kann ohne Anstrengung schnell Dinge herausfinden, die man umständlich früher auswendig lernen musste. Daran haben sich die Nutzer im Internet inzwischen gewöhnt und deshalb nehme die Bereitschaft ab, noch allzu viel auswendig zu lernen. Man gehe davon aus, dass man auch später jederzeit diese Rückgriffmöglichkeiten auf Internetquellen habe. So werde dann die Intelligenz bei den Antworten auf bestimmte Fragen nach außen auf externe Speicher verlagert.

Die zugrundeliegenden Forschungsarbeiten haben zu diesen interessanten Erkenntnissen geführt. Sobald man den Testteilnehmern mitgeteilt hat, dass bestimmte für sie wichtige Informationen gespeichert werden, merkten sie sich nicht mehr die Information selbst, sondern den Speicherort. Teilte man ihnen hingegen mit, dass die Informationen nicht sicher gespeichert werden, dann merkten sie sich eher den Inhalt als den Speicherort.

Man kann also davon ausgehen, dass sich viele nicht mehr Details unbedingt merken wollen. Denn E-Mail-Adressen oder Sachinformationen scheinen sicher im Internet hinterlegt zu sein. Der Google-Effekt sagt also aus: Man merkt sich nicht mehr die Details, sondern man merkt sich die Methode, die man zu den Details kommt.

Jochen Mai von karrierebibel.de sieht den Google-Effekt durchaus kritisch. Denn wenn man sich sehr sicher ist, dass man alles auf externen Speichermedien wiederfindet, dann versäumt man es auch, die eigenen Denkmuskeln zu beanspruchen. Wenn man immer auf ein Navigationsgerät zurückgreifen kann, dann wird man möglicherweise irgendwann nicht mehr in der Lage sein, den Weg mit Karten oder sonstigen Angaben zu finden. Womit man dann Fähigkeiten einbüßt, die zum Überleben sehr wichtig sind. Es wäre schon wichtig, dass man Telefonnummern und Geburtstage von relevanten Ansprechpersonen im Kopf behalte, um auch unabhängig von der Technik noch Handlungsfähigkeit demonstrieren zu können. Der Google-Effekt beim Gedächtnis sollte also durchaus genutzt werden, aber man sollte auch immer noch sein Gedächtnis fördern, damit man insgesamt geistig beweglich bleibt.

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