Kann Twitter Börsenkurse voraussagen?

Schon lange bekannt ist, dass kurzfristige Bewegungen an der Börse stark von momentanen Stimmungen abhängen. Deshalb wäre ein kurzfristiges Stimmungsbarometer ideal, wenn man dies für kurzfristige Investments nutzen wollte. In den Zeiten, in denen sich sehr viele Menschen täglich auf Suchmaschinen tummeln oder viele Kurznachrichten auf Plattformen wie Twitter hinterlassen, könnte man auf Idee kommen, die dadurch wahrnehmbaren Stimmungsschwankungen zur Prognose von Börsenkursen zu nutzen.

Nun hat eine amerikanische Untersuchung ergeben, dass der Kurznachrichtendienst Twitter die Stimmungslage als Basis für die kurzfristige Prognose von Börsenkursen besser voraussagen kann, als andere Stimmungsindikatoren. Daraus wurde dann hierzulande schnell geschlossen, dass Twitter Börsenkurse voraussagen kann. Ob diese weitgehende Schlussfolgerung zutreffend ist und ob man sie für zukünftige Investments an der Börse nutzen kann, soll im Folgenden weiter untersucht werden. Dass der Kurzmitteilungsdienst Twitter ein gutes Stimmungsbarometer für eine Vielzahl von kurzfristigen Prozessen sein kann, soll dabei nicht bestritten werden. Denn mehr und mehr Menschen nutzen ihr Handy oder den PC um mehrfach am Tag eine Kurzmeldung zu schreiben. Ängste und Erwartungen, die sich auf zukünftige Börsenkurse durchschlagen, drücken sich in irgendeiner Weise in diesen Kurzmeldungen aus.

Schaut man sich die amerikanischen Berichte über die Untersuchung zu Twitter und Börsenkurse etwas genauer an, dann stellt man fest, dass Millionen von Datensätzen ausgewertet wurden, um Stimmungen von Twitter-Mitteilungen mit Stimmungen an der Börse abzugleichen. Eine solche Auswertung kann nur maschinell vorgenommen werden. Zunächst wurde ein Zeitraum im Jahre 2008 untersucht, als es schließlich zum weltweiten Finanzcrash kam. Hier hat man dann einen engen Zusammenhang zwischen der frühen Stimmungslage und dem späteren Kursveränderungen (innerhalb eines Zeitraums von wenigen Tagen) an der Börse festgestellt. Möglicherweise könnte es sich aber um eine Scheinkorrelation gehandelt haben.

Man hat dann das Verfahren auf aktuellere Situationen übertragen und den kurzfristigen Zusammenhang zwischen Twitter und Börsenkursen bestätigt gesehen. Allerdings soll es so sein, dass die aktuelle Stimmungslage an der Börse schon ziemlich genau die kurzfristige Entwicklung der nächsten drei Tage voraussagt aber durch Hinzunehmen der Twitter-Stimmungslagen könnte diese Prognose-Wirkung noch verbessert werden. Konkret heißt das nur, dass bei den bisherigen Fallbeispielen Twitter als zusätzlicher kurzfristiger Stimmungsbarometer gut funktioniert hat, aber es nicht sicher sein kann, ob ein entsprechendes Instrument auch in Zukunft funktionieren kann.

Dass entsprechende Prognose-Möglichkeiten nicht dauerhaft funktionieren können, ist auch aus einer anderen Überlegung plausibel. Denn diese Prognose auf Basis der Twitter-Stimmungslage könnte für jeden der Börsenteilnehmer transparent gemacht werden. Dann könnte jeder auf Basis der Twitter-Börsenprognose seine persönliche Börsenstrategie ändern und damit den Trend vorziehen. Logischerweise müsste sich dann der Trend überstark auswirken und anschließend in die umgekehrte Richtung laufen. Damit würde sich dann wider das Börsenszenario mittelfristig umkehren. Eine alte Börsenregel lautet übrigens: Man sollte stets langfristig agieren und stets gegen die Stimmung handeln. Investments zu Zeiten des Börsencrashs 2008 haben sich übrigens inzwischen gut entwickelt. Und diese positive Börse wurde damals bei Twitter nicht vorausgesagt.

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