Software und falsche Internet-Bewertungen

Internetbewertungen sind sehr wichtig, um als Käufer eine Orientierung bei Online-Käufen zu bekommen oder um Offline-Angebote von Dienstleistern besser einschätzen zu können. Doch es besteht der Verdacht, dass ein großen Teil solcher Bewertungen gefälscht ist: Einerseits durch die bewerteten Unternehmen, die sich damit Vorteile versprechen, anderseits durch Konkurrenten, die die betreffenden Unternehmen herabstufen wollen.

Schön wäre es daher für Bewertungsplattformen, wenn sie die Echtheit von Bewertungen mittels Software prüfen könnten. Nun meldet Spiegel-Online, dass es gelungen sei, eine solche Software zu entwickeln. Angeblich erkennt die Software an der Verwendung von Verben und an einer blumigen Ausdrucksweise, ob eine Bewertung ehrlich gemeint oder manipulativ eingesetzt werden soll.

Damit wäre den Software-Entwicklern etwas gelungen, woran bisher Psychologen, Polizei und Gerichte gescheitert sind: Die Unterscheidung von ehrlich bzw. unehrlich Aussagen an Hand von einfachen formalen Merkmalen. Das Verfahren, das Spiegel-Online beschreibt, sieht so aus, dass Forscher vorliegende echte und falsche Bewertungen untersucht haben und dabei typische Unterschiede entdecken konnten. Ob allerdings diese Erkenntnisse auf zukünftige Falsch-Bewertungen übertragen werden können, muss bezweifelt werden, denn wenn die Regeln zur Erkennung der Falschbewertungen erstmal bekannt sind, dann wird es auch nicht lange dauern, bis die Falsch-Bewerter Software einsetzen, um solche Erkennungsmerkmale zu vermeiden.

Bekannt ist, dass solche falsche Internet-Bewertungen auch über Textbörsen angefordert und bezahlt werden. Dort können dann die Auftraggeber den Textern einfach vorgeben, welche typischen Erkennungsmerkmale sie vermeiden sollen: Bitte keine blumige Ausdrucksweise und bitte auch bestimmte Verben vermeiden usw.

Menschliche Intelligenz ist der Software-Erkennung also noch überlegen, weil sie den Kontext der Bewertung berücksichtigen kann. Hier ist dann ablesbar, ob der Bewerter sich auf überprüfbare Daten und Fakten bezieht und insgesamt einen kompetenten Eindruck macht, oder ob er einfach aus dem Bauch heraus urteilt.

Seit kurzen verwenden auch Suchmaschinen Software, um die Qualität von Texten zu bestimmen. Aber auch hier liegt das Problem darin, dass maschinelle Auswertungen nicht den Kontext eines Textes berücksichtigen können.

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