Virtuelle Ewigkeit im Internet

Im Internet, dass durch soziale Netzwerke gekennzeichnet ist, gibt es ein relevantes Thema, dass gerne verdrängt wird: der Tod. Was passiert eigentlich mit meinen Facebook- oder XING-Profil wenn ich sterbe? Nun, sofern sich die Angehörigen nicht darum kümmern, bleibt das Profil online, wie beim kostenlosen Anbieter Facebook nicht anders zu erwarten. Hat man ein Profil, das, wie beim Business-Netzwerk XING möglich, Kosten verursacht, so besteht die Chance, dass der Anbieter erkennt, dass der Profil-Inhaber nicht mehr unter uns weilt.

Profil-Inhaber die verbeugend tätig werden wollen und Angehörige, die sich bereits jetzt über das Problem des Umgangs mit dem Online-Profil ihres dann verstorbenen Angehörigen Gedanken machen, tun gut daran, zumindest die Profil-Anmeldedaten (Benutzername und Passwort) in gesicherte Form zu übergeben. Das hat nicht nur den Vorteil, dass das Profil schnell gesperrt oder mit ergänzenden Informationen versorgt werden kann. Man kann auch parallel dazu den Vertrag aufheben lassen und damit die üblichen Abbuchungen vom Konto stoppen.

Virtuelle Ewigkeit im Internet
Ausschnitt der Website: Virtuelle Ewigkeit im Internet

Wesentlich weitergehende Ideen zum Umgang mit Internet-Informationen von Verstorbenen hat man in den Vereinigten Staaten umgesetzt: Virtual Eternity (auf Deutsch „virtuelle Ewigkeit“). Durch einen Freund wurde ich über eine kurze Radio-Reportage zur virtuellen Ewigkeit aufmerksam. Die Idee, im Internet virtuelle Friedhöfe als Umsetzung der virtuellen Ewigkeit anzubieten, mag auf den ersten Blick zwar schockierend sein, besonders kreativ ist sie aber nicht. Beim verlinkten Ansatz zur virtuellen Ewigkeit geht man noch einen Schritt weiter. Man kann Stimmproben auf das Angebot hochladen und dann wird Software dafür eingesetzt, um einen Dialog mit dem Verstorbenen virtuell zu simulieren.

Die Idee zur virtuellen Dialogmöglichkeit geht auf den Computer Pionier Joseph Weizenbaum zurück. 1966 entwickelte Weizenbaum die Software ELIZA, mit der er zeigen wolle, dass man die Techniken der Gesprächstherapie als Dialogtechnik zwischen Mensch und Computer nutzen kann. Weizenbaum verstand seine Arbeit als Kritik an der Idee der „Künstlichen Intelligenz“, denn wenn man mit einem einfachen Programm einen Gesprächstherapeuten simulieren kann, dann werde wohl jedem schnell deutlich, wie unsinnig das Konzept der Künstlichen Intelligenz sei. Kritiker der künstlichen Intelligenz, wie man sie auf artificialstupidity.de findet, sehen hier auch eher künstliche Dummheit am Werk.

Aber Weizenbaum staunte nicht schlecht, als er merkte, dass viele Mitarbeiter und Studenten ELIZA ernsthaft nutzen und weiterentwickeln wollten. Modere Varianten von ELIZA (sogenannte Chatbots) finden im Internet Verwendung, z.B. als Ersatz-Kommunikationspartner im virtuellen Flirtdialog. Nun will man bei den Anhängern der virtuellen Ewigkeit Chatbots nutzen, um virtuelle Dialoge mit dem Verstorbenen anzubahnen.

Sofern man die Idee der virtuellen Ewigkeit als Scherz ansieht, so wie Weizenbaum sein ELIZA ursprünglich wohl verstanden haben kann, wird man damit klarkommen. Aber wer hier unsicher über seine Stressfähigkeit ist, der sollte davon die Finger von der virtuellen Ewigkeit lassen. Denn auch Weizenbaum war entsetzt, als er erkannte, dass die Suggestivwirkung diese Art von Computer-Software sehr durchschlagend sein kann.

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