Bezahlfernsehen: Urteil aus Luxemburg löst Wirbel aus

Bezahlfernsehen kann für Verbraucher teuer werden. Doch viele schätzen Bezahlfernsehen trotzdem, denn nur so können Sie aktuell nationale und internationale Fußballspiele live verfolgen. Manche gehen dafür extra in die Kneippe und die Wirte zahlen viel Geld, um die Übertragung der Fußballspiele für ihre Gäste zu sichern. Nun sorgt ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum Bezahlfernsehen dafür, dass für Verbraucher neue Perspektiven entstehen, günstiger an ihr Fußballvergnügen zu kommen.

Um das Bezahlfernsehen zu bekommen, benötigt man als Zuschauer Decoder und/oder Smartcards. Diese entschlüsseln das Fernsehsignal, das vom Satelliten kommt. Dieses Verfahren funktioniert auch mit Decodern und Smartcards aus dem entfernten Ausland. Doch durch eine lokalisierte Lizenzpolitik war es bisher oft nur eingeschränkt möglich, günstige Angebote für Bezahlfernsehen aus dem Ausland zu nutzen. Dieser Wettbewerbsbeschränkung hat nun der Europäische Gerichtshof den Kampf angesagt.

In dem oben verlinkten Urteil wird Klartext gesprochen: „Ein Lizenzsystem für die Weiterverbreitung von Fußballspielen, das Rundfunkanstalten eine gebietsabhängige Exklusivität für einzelne Mitgliedstaaten einräumt und den Fernsehzuschauern untersagt, diese Sendungen in den anderen Mitgliedstaaten mittels einer Decoderkarte anzusehen, verstößt gegen das Unionsrecht.“

Allerdings ist nicht von vornherein klar, dass das Urteil auf lange Sicht Vorteile für die Verbraucher haben wird. Denn die Rechte für Fußballübertragungen könnten in Zukunft europaweit ausgeschrieben werden, womit dann lokale Billigangebote ausgeschlossen wären. Zwar kann man nun Decoder von ausländischen Bezahlfernsehanbieter legal nutzen, doch diese müssen nicht unbedingt billig sein. Außerdem fehlen möglicherweise deutsch-sprachige Informationen und Kommentare, was das Fußballschauen nicht einfach macht.

Interessant ist das Urteil aber trotzdem aus Verbrauchersicht, denn der Luxemburger Gerichtshof hat sich klar gegen Einschränkungen bei der Verbreitung von Medienangeboten gestellt. Es entspricht nicht dem europäischen Geist, wenn man regional unterschiedliche Lizenzarten für Mediennutzung durchsetzen will. Auf netzpolitik.org wird deshalb das Urteil begrüßt. Denn es sei ein Unding, dass man vergleichbare Dienstleistungen wie Bezahlfernsehen oder Mediennutzung auf unterschiedliche Gebietslizenzen festlegen wolle.

Wirtschaft

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