Gefühlte Inflation bremst Wirtschaftsaufschwung

Die Inflation ist eigentlich ein objektiver Wert, der durch Preisvergleich des durchschnittlichen Warenkorbs eines normalen Haushaltes bestimmt werden kann. Doch bestimmte Preisänderungen werden wesentlich stärker beachtet als andere. Dazu zählen beispielsweise die Preise für Grundnahrungsmittel, die nahezu täglich beschafft werden müssen. Das ZDF-Wirtschaftsmagazin Wiso hat jetzt deutlich gemacht, wie stark die gefühlte Inflation empfunden werden kann. Angesichts der gegenwärtig instabil empfundenen Wirtschaftlage gehen Experten davon aus, dass die gefühlte Inflation den Wirtschaftsaufschwung bremsen kann.

Das Problem der gefühlten Inflation war besonders stark nach der Einführung des Euros spürbar, der vor etwa zehn Jahren monatelang die Diskussion bestimmte. Dabei stellte sich oft heraus, dass die Verbraucher sehr ungenaue Vorstellungen davon haben, welche Preise tatsächlich vor der Euro-Einführung wirksam waren. Auch heute noch liegen Verbraucher oft schief in Einschätzungen, wenn sie Preise der Vor-Euro-Zeit benennen sollen. Statistiker gehen davon aus, dass seit der Euro-Einführung die Verbraucherpreise um ca. 20 Prozent angestiegen sind. Die gefühlte Inflation wird hingegen als Eins-zu-Eins-Umstellung erlebt. Profi-Geldanleger sehen die Inflation allerdings realistischer, wie cash-online.de zu beobachten vermeint.

Grund für die zu stark wahrgenommene gefühlte Inflation ist nach Ansicht von Experten die sogenannte „Verlust-Aversion„. Tatsächliche oder vermeintliche Verluste werden wesentlich stärker wahrgenommen als tatsächliche oder vermeintliche Gewinne. Kauft man beispielsweise Aktien und steigen diese um 50 Prozent, dann ist die Befriedigung hierdurch wesentlich geringer als der Frust, wenn die gleichen Aktien um 50 Prozent fallen. Der virtuelle Verlust wird stärker gespürt als der virtuelle Gewinn, denn es wird den Anlegern plastischer deutlich, was sie sich alles nun nicht mehr leisten können.

Um die gefühlte Inflation in ihrer Wirkung zu mindern, helfen nur das Führen eines Haushaltsbuches und die genaue Recherche über die Preisentwicklung der Produkte und Dienstleistungen, die für einen wirklich wichtig sind. Außerdem sollten sich die Verbraucher klar machen, dass eine Konsumzurückhaltung in Zeiten einer tatsächlichen Inflation keine ausreichende Strategie zur Sicherung des eigenen Vermögens ist.

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