Klebeeffekt der Zeitarbeit bleibt gering

Zeitarbeit (bzw. Leiharbeit, wie der offizielle gesetzliche Begriff in Deutschland lautet) wird gerne unterstützt, weil man sich hiervon einen Klebeeffekt für die Mitarbeiter der Zeitarbeit erhofft. Denn mit Zeitarbeit könne man nicht nur besser die eigene Arbeitszeit steuern, sondern auch bei dem Arbeitgeber im Daueranstellung verbleiben, der durch die Zeitarbeit die Qualifikation und die Leistungen des Mitarbeiters schätzen gelernt hat. Dies ist dann ein Klebeeffekt, weil der flexibel eingestellte Zeitarbeitsnehmer beim Arbeitgeber verbleibt.  Zeitarbeit wird also als Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt für Beschäftigte angesehen und frühere Untersuchungen zu Kriterien von Zeitarbeit gingen davon aus, dass bis zu 30 % der Zeitarbeitnehmer den Klebeeffekt nutzen können.

Zu deutlich ungünstigeren Zahlen zum Klebeeffekt der Zeitarbeit kommt eine aktuelle Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit. Leiharbeit sei zwar keine breite Brücke, aber zumindest ein schmaler Einstieg in Beschäftigungs-Möglichkeiten, so die eher positive Einschätzung des Instituts-Chefs, Joachim Möller. Denn viele in der Zeitarbeit Beschäftigte waren vorher arbeitslos gemeldet und hatten somit überhaupt keinen Zugang zum Arbeitsmarkt.

Interessant ist auch, dass die in der Zeitarbeit beschäftigen Arbeitnehmer bedingt durch die Wirtschaftskrise von ca. 800.000 auf unter 600.000 Personen innerhalb von zwei Jahren zurückgegangen ist. Die niedrigen Zahlen für Zeitarbeit in Deutschland im internationalen Vergleich sind also nochmals deutlich reduziert. Deshalb geht man in Nürnberg auch davon aus, dass die Potentiale von Formen flexibler Arbeitsgestaltung (dazu gehört neben der Zeitarbeit noch die Arbeitszeitkonten, mit denen das Arbeitsvolumen über viele Jahre verteilt werden kann) in Deutschland noch lange nicht ausgereizt sind.

Leiharbeit sei also für Arbeitslose keine Sackgasse, betont man in der Nürnberger Studie. Zum einen weil viele vormals Arbeitslose in der Leiharbeit verbleiben, zum anderen weil einige Leiharbeiter den Klebeeffekt  nutzen und in eine reguläre Beschäftigung wechseln. Allerdings wird diese Zahl nur mit etwa 7 % angegeben.

Mit dieser niedrigen Zahl entfällt aber ein gern gebrauchtes Argument für Zeitarbeit. Zeitarbeit mit geringem Klebeeffekt wird auch kaum die öffentliche Förderung beanspruchen können, die man in den letzten Jahrzehnten immer wieder bemüht hat. Mögliche bessere Zukunftsperspektiven für Zeitarbeit könnten sich durch deren verbesserte Reputation ergeben. Eigentlich müssten die Zeitarbeitnehmer besser bezahlt werden, weil sie flexibler mit schnell ändernden Beschäftigungs-Situationen klar kommen müssen. Diese soziale Anerkennung fehlt noch in Deutschland, um Zeitarbeit nach vorne zu bringen.

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