Macht die Buchpreisbindung für digitale Bücher Sinn?

Gegenwärtig wird in der Schweiz heftig über die Buchpreisbindung gestritten. Dort muss im März das Volk über die Buchpreisbindung entscheiden. Aber auch in Deutschland ist die Buchpreisbindung umstritten. Unklar ist insbesondere, ob die Buchpreisbindung bei digitalen Büchern (E-Books) gerechtfertigt ist.

Perun wirft in seinem Blog-Beitrag zur Buchpreisbindung die Frage bezüglich E-Books auf, was eigentlich die Buchpreisbindung bewirke? Die Frage wird in dem Blog-Beitrag nicht direkt beantwortet; dieser beschäftigt sich überwiegend mit der Frage, warum es eine Buchpreisbindung gibt und wieso nicht elektronische Bücher deutlich billiger als ihre Print-Ausgaben sind. Der Verweis auf die gesetzliche Regelung kann aber als Begründung für die Wirkung der Buchpreisbindung nicht ausreichen. Möglicherweise hat der Gesetzgeber sich dabei etwas gedacht, als er bereits in den 1950er-Jahren die Buchpreisbindung in Deutschland eingeführt hat.

Die Begründung für die Buchpreisbindung liegt in der Kultur, die der Buchhandel insgesamt für die Gesellschaft leistet. Bücher sind nicht nur Konsumgüter, sondern sie vermitteln zugleich kulturelle Werte und Bildung, auch wenn es die entsprechenden Titel meist nicht in die Spiegel-Bestsellerliste schaffen. Deshalb soll es ein breites Buchangebot in vielen kleinen und großen Läden geben, eine Leistung, die man im benachbarten westlichen Ausland nicht unbedingt findet. Existenzsichernd für die kleinen Buchhändler ist die Buchpreisbindung, denn ein Käufer kann überall in Deutschland jedes lieferbare Buch zum gleichen Preis kaufen. Jeder Buchhändler in Deutschland kann auch jedes lieferbare Buch in 24 Stunden beschaffen, ebenfalls eine Leistung, um die uns Engländer und Amerikaner beneiden.

Aber jede Leistung hat ihren Preis. Und diese bildet sich im tendenziell höheren Buchpreis ab, denn ein Wegfall der Buchpreisbindung senkt sicherlich vorübergehende die Buchpreise, denn die großen Buchhändler können dann mit niedrigen Preisen die kleinen Buchhändler vom Markt drängen.

Perun hat in dem oben verlinkten Blog-Beitrag zu Recht darauf verwiesen, dass die Buchpreisbindung nichts mit dem vergleichbar hohen Preis für E-Books zu tun hat. Denn die Verlage sind frei, für die E-Books einen eigenen festen Laden-Endpreis festzulegen, der auch 50 Prozent oder mehr unter dem Preis für die Print-Ausgabe liegen könnte. Das tun sie aber nicht, die Gründe hierfür können recht vielfältig sein. Die Meinung, dass die Verlage aber an den E-Books besonders gut verdienen, halte ich nicht für sonderlich überzeugend, denn der Umsatz mit E-Books macht gegenwärtig nur einen geringen Teil des Verlagsumsatzes aus. Möglicherweise wollen die Verlage mit hohen Preisen für E-Books eine Kannibalisierung ihres traditionellen Geschäfts vermeiden.

Doch ist die Preisbindung für E-Books gerechtfertigt? Eine Schutzwirkung für kleine Buchhändler kann im festen Preis der E-Books kaum begründet werden; schließlich verkaufen diese kaum E-Books. Trotzdem werden auch kleine Buchhändler sich nicht für eine Abschaffung der Preisbindung für E-Books einsetzen. Denn dann könnten die E-Books zum trojanischen Pferd werden, das früher oder später auch die Preisbindung für herkömmliche Bücher aufhebt.

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