Zinssenkung der Europäischen Zentralbank bleibt wirkungslos

Erneut hat die Europäische Zentralbank die Zinsen gesenkt. Doch auch beim historischen Tiefstand der Leitzinsen von 0,5 Prozent kann kaum übersehen werden, dass dieser Zinssatz keine ökonomische Wirkung mehr entfalten kann.

Zinssenkung der Europäischen Zentralbank bleibt wirkungslos

Zinssenkung der Europäischen Zentralbank bleibt wirkungslos

Nach der Theorie ist es ganz einfach: Niedrige Leitzinsen der Zentralbanken verbilligen die Kredite und kürzen die Einnahmen der Sparer. Niedrige Zinsen werden dann nach der Theorie unmittelbar an die Verbraucher weitergegeben. Da sich das Sparen nicht mehr lohnt und das Investieren so viel günstiger wird, wird die Wirtschaft belebt, es wird mehr investiert und konsumiert.

Doch dieser theoretische Aufschwung tritt auch nach der erneuten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank nicht ein. Das hat sehr einfache Gründe. Zinssenkungen werden sowohl auf der Kreditebene wie auf der Sparerseite nicht unmittelbar an die Endverbraucher und Investoren weitergegeben. Bei den Kreditempfängern ist jede Kreditvergabe an eine Bonitätsprüfung gekoppelt und wenn diese nicht positiv verläuft, dann nützt es auch dem Investor nichts, wenn es prinzipiell für andere Investoren günstige Kredite gibt. Banken gewähren dann nur Kredit mit einem erheblichen Risikoaufschlag, was die Investition schnell unrentabel macht. Beobachten kann man diesen Effekt gegenwärtig in fast allen europäischen Nachbarstaaten von Deutschland. Dort bekommt man höchstens Geld, wenn man sehr hohe Zinsen bezahlen kann und will. Gleiches gilt auch für diese Länder selbst, wenn sie sich Geld auf dem internationalen Kapitalmarkt besorgen müssen. Während der deutsche Finanzminister praktisch keine Zinsen für Kredite zahlen muss, müssen sein italienischer und griechischer Kollege sehr tief in die Tasche greifen, sofern sie überhaupt große Investoren finden.

Auch auf der Sparerseite bleibt die Zinssenkung der europäischen Zentralbank ohne große Auswirkung. Seit etlichen Jahren ist zu beobachten, dass alle Sparzinsen (Zinsen für festverzinsliche Anlage, die nur ein geringes Ausfallrisiko haben) nach unten gehen. Tagesgeld kann in Deutschland kaum noch für ein Prozent angelegt werden; hier dominieren ausländische Anbieter, die aber das Tagesgeld-Geschäft nur als Anreiz der Kundengewinnung nutzen. Auch kurz- bis mittelfristige Festgeldanlagen liegen im Bereich der Inflationsrate oder darunter, womit für die Sparer deutlich wird, dass sie nach Abzug von Steuern bereits jetzt einen Substanzverlust hinnehmen müssen. Ausweg kann nur eine Anlage in spekulative Varianten wie Aktien sein, doch dort ist angesichts sehr hoher Kurse das Risiko kaum noch kalkulierbar.

Sowohl für Investoren wie für Anleger gibt es also gegenwärtig kaum eine andere Handlungsmöglichkeit als abzuwarten. Dazu braucht man starke Nerven, denn Menschen sind auf handlungsaktives Gestalten ausgerichtet.

Bildnachweis: © mik ivan – Fotolia.com

Wirtschaft

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