Zypern-Eurorettung: einzigartig oder Modell-Fall

Zypern ist nicht das einzige Land in Euro, das durch eine aufgeblasene Finanzindustrie gekennzeichnet ist. Beliebt ist bei den Deutschen nach wie vor das kleine Nachbarland Luxemburg, wenn man Geld vor dem deutschen Finanzamt in Sicherheit bringen will. Doch die Zypern-Eurorettung wirft die Frage auf, ob man denn zukünftig noch von einer sicheren Geldanlage ausgehen kann, wenn man seine Euros in einem Land parkt, das sich durch eine aufgeblasene Finanzindustrie auszeichnet.

Zypern-Eurorettung: einzigartig oder Modell-Fall
Zypern-Eurorettung: einzigartig oder Modell-Fall

Der Chef der Eurogruppe hatte nach der Zypern-Rettung offene Worte („Modell für Europa“)fallen gelassen, von denen er jetzt nichts mehr wissen will. Dabei sind die Argumente für ein Modell gut nachvollziehbar. Schließlich gibt es viele Länder in Europa, die mit höheren Zinsen oder mit steuervermeidenden Geschäftsmodellen Geld ins Land ziehen. Das kleine Nachbarland Luxemburg hat zwar kaum mehr Einwohner als eine mittlere Großstadt, doch in der Hauptstadt und in vielen Nachbarorten zur Grenze ist eine erstaunlich hohe Bankfilialen-Dichte zu beobachten.

Viele Regionen in Euro (außerhalb und innerhalb der Eurozone) haben ein einfach konstruiertes Modell, um Geld aus dem Ausland anzuziehen. Man bietet vergleichsweise hohe Zinsen, innovative Anlagemöglichkeiten und eine geringe Bereitschaft der Informationsübermittlung, wenn das einheimische Finanzamt des Investors nach Detailinformationen fragen sollte. Mit dieser Art von Geschäftsmodell ist Zypern jetzt in die Krise geraten und musste von Europa gerettet werden; das dabei die Retter ein Modell im Hinterkopf haben, kann kaum verwundern, schließlich sind den Politikern in Berlin und den Finanzmanagern bei der Europäischen Zentralbank in Frankfurt diese finanziellen Dumpingmethoden schon lange ein Dorn im Auge.

Sollte Zypern als Modell-Fall gelten, dann wollte man wohl den Investoren sagen, dass sie sich nicht auf die Einlagensicherung oder andere Sicherungsmöglichkeiten verlassen können, wenn das jeweilige Land mit den innovativen Anlagemöglichkeiten in Schieflage gerät. Dann müssen unter Umständen sogar die Kleinanleger bluten, die nur ein paar Tausend Euro auf ihrem Konto angespart haben. Allerdings könnte es auch zum Problem werden, wenn sich allzu viele deutsche Anleger das „Modell Zypern“ bewusst machen, denn daraus würde folgen, dass man seine Geldanlagen am besten im Inland aufbewahrt, egal wie niedrig die Zinsen sind und wie schnell das Finanzamt auf das Geld zugreifen kann. Denn ein so provozierter Kapitalrückfluss nach Deutschland würde dem „Modell Euro“ endgültig die Grundlage entziehen. Damit das Modell Euro erhalten bleibt, darf die Zypern-Eurorettung nur als einzigartiger Ausnahmefall gelten.

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Ergänzung 28.3. Der luxemburgische Regierungschef möchte keine Ratschläge, wie er den aufgeblasenen Finanzsektor in seinem Land zurückbauen kann, meldete zwischenzeitlich die Süddeutsche. Warnungen dieser Art hätte man bisher in Luxemburg nicht bekommen. Es sei auch kein Kriterium für fehlende Wirtschaftsleistung, wenn der Bankensektor des zwanzigfache Volumen der volkswirtschaftlichen Leistung umfasse. Offensichtlich macht man sich in Luxemburg also Sorgen darüber, dass ausländische Geldanleger Luxemburg mit Zypern vergleichen könnten und daraus möglicherweise Konsequenzen ziehen.

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