Benzinpreise: Kartellamt unterstützt Handlungen des Gesetzgebers

Angesichts erneut stark steigender Benzinpreise werden aktive Handlungen von Politik und Wettbewerbsaufsicht gefordert. Dieses Spiel ist nicht neu, doch immer wieder spannend. Nun greift der Kartellamtspräsident Mundt die Ölkonzerne an: Deren „Reaktionsverbundenheit“ sei in der Lage, den Wettbewerb an den Tanksäulen auszuschalten, obwohl keine wettbewerbswidrigen Verhaltensweisen der Oligopole nachweisbar seien. Politische Maßnahmen (Verbot mehrerer Preisänderungen für Sprit pro Tag) seien daher zu überlegen.

Was ein „Oligopol“ bei den Benzinpreisen bedeutet und wie man sich das Verhalten von Oligopolisten vorstellt, zeigt folgendes Video von extra3 auf:

http://youtu.be/DWjZgga0EpE

Handeln aber Oligopolisten wie die Mineralölkonzerne per „Reaktionsverbundenheit“, dann brauchen sie sich für wirksame Preisabsprachen nicht zum Kaffeekränzchen zu treffen. Man versteht sich sozusagen per Gedankenübertragung: Die hohe Transparenz am Markt sorgt dafür, dass jeder sehr gut berechnen kann, was der andere tun wird und da man sich insgesamt einig weiß, braucht man keine Absprachen zu treffen oder Termine zu verabreden, um doch zu gemeinsam höheren Preisen zu kommen, die insgesamt die Autofahrer allzu stark belasten.

Kartellamtspräsident Mundt hatte diese neue ökonomische Weltsicht in einen Interview mit der Rheinischen Post erläutert:

Wir haben mit einem Oligopol auf dem deutschen Tankstellenmarkt zu tun: Fünf Mineralölkonzerne beherrschen ihn. Im Rahmen unserer Möglichkeiten gehen wir dagegen vor. Die rechtlichen Mittel des Kartellamts reichen aber nicht so weit, dieses Oligopol aufbrechen zu können. Aber deshalb zu sagen, da können wir nur tatenlos zusehen, finde ich nicht befriedigend. Wenn die Bundesregierung nun verschiedene Modelle prüft, die Benzinpreisanhebungen nur noch eingeschränkt zuzulassen, finde ich das richtig. (Zitatende)

Was Mundt meint, sind mögliche Einschränkungen bei Preisänderungen. Immer wieder ist zu beobachten, dass mehrmals am Tag Preise an Tankstellen geändert werden und dass die Nachbartankstellen dem schnell nachfolgen. Damit ist der Wettbewerb faktisch ausgeschaltet. Möglich ist das schnelle Nachahmen der Verhaltensweisen des Nachbarn, nur weil sehr viel Transparenz am Markt vorhanden ist. Gerade durch das Internet ist es möglich geworden, dass nicht nur die Mineralölkonzerne genau erkennen können, welcher Preis für welches Mineralöl in welcher Region gerade gefordert wird. Ein Verbot von mehreren Preisanhebungen pro Tag kann allerdings nichts an dieser hohen Transparenz ändern, aber dass Transparenz den Wettbewerb auf dem Oligopol-Markt Mineralöl verhindert, ist eine neue und interessante These.

Wissen & Technik

Sie können Sie einen Kommentar hinterlassen or unseren Feed abonnieren, wenn Ihnen dieser Beitrag gefallen hat.

Kommentare

2 Kommentare zu “Benzinpreise: Kartellamt unterstützt Handlungen des Gesetzgebers”

Einen Kommentar schreiben

(Pflichtfeld)

(Pflichtfeld)