Vielleicht ist Ihnen nicht bewusst, aber viele unserer elektronischen Geräte – von Fernsehgeräten bis hin zu Kühlschränken – sind heute deutlich effizienter als früher. Dank jahrzehntelanger Innovationen und Energiestandards verbrauchen moderne Haushaltsgeräte in der Regel deutlich weniger Strom als ihre Vorgänger.
Gleichzeitig ist unser Zuhause heute von Geräten durchzogen, die dauerhaft verbunden sind. Schlafmodi, Standby-Modi, WLAN-Module, sogar die kleine Digitaluhr in der Mikrowelle – sie alle verbrauchen kontinuierlich Strom. Allein betrachtet ist der Standby-Verbrauch eines einzelnen Geräts nicht besonders hoch. Doch da immer mehr Technik ständig eingeschaltet bleibt, wird das Phänomen des Vampire Power (auch Phantomlast oder Standby-Verbrauch genannt) zu einem ernsthaften Problem, das die Effizienzgewinne der letzten Jahre leise untergräbt.
Der große Stromfresser
Auf Einzelfallbasis mag Vampire Power vielleicht nicht als großes Problem erscheinen, doch summiert es sich zu einer erheblichen versteckten Kostenstelle. Eine oft zitierte Studie des Natural Resources Defense Council (NRDC) ergab, dass Leerlauf-Elektronik und -Geräte Amerikaner jährlich rund 19 Milliarden US-Dollar an Stromkosten verursachen. Das entspricht etwa 165 US-Dollar pro Haushalt pro Jahr, wobei in Gebieten mit hohen Strompreisen manche Haushalte sogar bis zu 440 US-Dollar pro Jahr zahlen, nur um Geräte zu betreiben, die nicht aktiv genutzt werden. Selbst das US-Energieministerium schätzt, dass Phantomlasten 5 % bis 10 % des Haushaltsstromverbrauchs ausmachen und potenziell rund 100 US-Dollar pro Jahr an verschwendetem Strom bedeuten könnten.
Um eine Größenordnung zu verdeutlichen, bot das NRDC eine einprägsame Analogie an: Kaffee. Die dauerhaft eingeschaltete Last eines durchschnittlichen Haushalts verbraucht so viel Strom, wie jeden Tag 234 Tassen Kaffee zu brühen – im Jahr also mehr als 85.000 Tassen Kaffee. All diese Energie wird praktisch ohne Nutzen verbraucht. Und neben dem finanziellen Verlust ist es auch eine Umweltbelastung: Rund 100 Milliarden kWh Strom gehen jährlich durch Vampire Power verloren, was fast 80 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Emissionen entspricht.
Die Übeltäter
Wohin geht also all dieser Standby-Strom? Die Übeltäter verstecken sich in Ihrem ganzen Zuhause. Heutzutage scheint alles über ein digitales Display oder eine Funkverbindung zu verfügen. Grund- und Haushaltsgeräte, die früher einfache analoge Bedienelemente hatten – Waschmaschinen, Trockner, Backöfen, Kühlschränke – verfügen heute oft über elektronische Touchscreens, LED-Anzeigen und WLAN-Konnektivität. Die heutigen (und zukünftigen) Smart-Geräte werden nur stärker vernetzt. Das bedeutet, dass selbst wenn sie „aus“ sind, sie weiterhin einen Tropfen Strom ziehen, um vernetzt zu bleiben oder Einstellungen zu erhalten.
Doch nicht nur Küchen- oder Waschggeräte. Unterhaltungs- und Technikgeräte tragen ebenfalls erheblich zum Vampire Power bei. In den mittleren 2010er-Jahren wurden DVR‑Kabelboxen in vielen Haushalten zu den zweitgrößten Energieverbrauchern gezählt. Diese Geräte liefen oft rund um die Uhr – ihre Festplatten drehten sich ständig, sie luden Programmführer oder Updates herunter – selbst wenn der Fernseher ausgeschaltet war. Glücklicherweise hat die Kabelbranche seitdem die Effizienz verbessert, doch ältere Boxen, die noch im Einsatz sind, können weiterhin still Strom ziehen.
Ein weiterer großer Übeltäter sind moderne Spielkonsolen. Heutige Konsolen sind extrem leistungsstarke Computer, und selbst ihre energiesparenden Standby-Modi verbrauchen kontinuierlich einige Watt bis deutlich über 10 Watt. Die Xbox Series X von Microsoft im „Instant On“-Standby-Modus zieht rund 13 Watt ununterbrochen. Dieser Standby-Verbrauch, rund um die Uhr, summiert sich jährlich auf ca. 15 bis 20 Euro pro Jahr auf Ihrer Rechnung. Sonys PlayStation 5 und sogar Nintendos Switch verfügen über ähnliche Modi, die, wenn sie schlecht konfiguriert oder im Dauerbetrieb gelassen werden, ebenfalls den ganzen Tag über Strom ziehen können.
Weitere Übeltäter sind Ihr Internet-Modem und der WLAN-Router, Smart-Speaker, Sprachassistenten, Ladegeräte für Telefone, Laptops und jedes Gerät, das mit einem Display oder Fernbedienungsfunktionen eingesteckt bleibt. In einem typischen Haushalt ziehen 50 oder mehr Elektronikgeräte zu jeder Zeit Strom. Gemeinsam können sie den Energieverbrauch eines ständig laufenden Geräts oder sogar zweier entsprechen.
Die Lösung
Möchten Sie etwas Geld bei Ihrer Stromrechnung sparen oder nachhaltiger leben? Hier sind vier einfache Strategien, die helfen, Vampire Power im Haushalt zu reduzieren:
1. Befreien Sie sich von Dingen, die Sie nicht brauchen …
Führen Sie eine Bestandsaufnahme redundanter Geräte durch. Wenn Ihr Smartphone oder intelligenter Lautsprecher bereits als Uhr und Wecker dient, brauchen Sie wirklich eine zusätzliche Funkuhr? Benötigen Sie den zweiten Kühlschrank in der Garage? Ein alter Kühlschrank kann Sie jährlich 100 Euro oder mehr kosten.
2. … und ziehen Sie Stecker bei Dingen, die Sie nicht verwenden
Ziehen Sie Fernseher oder Gaming-Center aus selten genutzten Räumen den Stecker, bereiten Sie sich morgens auf den Kaffee vor, ziehen Sie den Stecker der Kaffeemaschine nach der Zubereitung, und schalten Sie Konsolen oder Drucker in Tagen oder Wochen, die im Leerlauf liegen. Verwenden Sie Steckdosenleisten oder smarte Steckdosen, um dies zu erleichtern. Fortschrittliche Mehrfach-Steckdosenleisten können sogar automatisch mehrere Geräte ausschalten, wenn ein Hauptgerät ausgeschaltet wird.
3. Geduld ist gefragt – schalte Geräte vollständig aus
Anstatt Standby- oder Schnellstart-Modi zu verwenden, sollten Sie Geräte vollständig ausschalten, wenn sie nicht benutzt werden. Ein Laptop über Nacht herunterzufahren oder eine Konsole komplett auszuschalten, kann spürbare Einsparungen bringen. Ein wenig Geduld zahlt sich aus.
4. Ersetzen Sie alte und veraltete Geräte
Alte Geräte verbrauchen deutlich mehr Energie. Der Austausch eines uralten Kühlschranks oder eines CRT-Fernsehers gegen ein neues, Energy‑Star-zertifiziertes Modell kann sowohl den aktiven als auch den Standby-Verbrauch deutlich senken. Prüfen Sie Förderprogramme von Versorgern oder Recyclingprogramme auf Bundes- oder lokaler Ebene, um Aufrüstungen erschwinglicher zu machen.
Mit wenigen einfachen Änderungen können Sie den Energie-Vampiren den Garaus machen – und sich über eine niedrigere Stromrechnung freuen.