Wann sollte man das Babyphone endgültig abschalten? Tipps für Eltern: Ab wann ist die Nutzung eines Babyphones nicht mehr nötig?

Wann sollten Eltern aufhören, ein Babyphone zu verwenden?

Ein zuverlässiges Babyphone ist heutzutage ein unverzichtbares Werkzeug für viele frischgebackene Eltern. Es sorgt für ein Gefühl der Sicherheit, indem es sowohl Bild- als auch Tonübertragung ermöglicht, damit Eltern ihr Baby oder Kleinkind im Blick behalten können, wenn dieses allein im Kinderzimmer schläft. Moderne Modelle bieten sogar eine App-Option, sodass Eltern auch außerhalb des Hauses den Zustand ihres Kindes prüfen können. Es gibt jedoch auch einfachere, nur mit Ton funktionierende Geräte, die lediglich die Geräusche im Kinderzimmer übertragen.

Während Babyphones in den ersten Jahren äußerst praktisch sind, kommt für viele der Zeitpunkt, an dem sie die Nutzung langsam einstellen können. Doch wann ist der richtige Moment?

Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab.

Wie erkennt man, wann es Zeit ist, auf das Babyphone zu verzichten?

Der bekannte Kinderarzt Dr. Edmond Sarraf, der am Southern California Integrative Wellness Center in Los Angeles praktiziert, gibt an, dass die durchschnittliche Zeit, in der Eltern mit der Nutzung eines Babyphones aufhören, zwischen zwei und vier Jahren liegt.

„Bei der Entscheidung spielen vor allem zwei Aspekte eine Rolle: Schlafhygiene und Sprachentwicklung“, erklärt Sarraf, der auch unter dem Namen „Dr. Ed“ bekannt ist, in einem Telefoninterview mit Reviewed.

„Im ersten Lebensjahr wachsen Kinder rasend schnell, und ihre Kommunikationsfähigkeiten sind noch sehr begrenzt“, beginnt Sarraf. „Zwischen 12 und 18 Monaten treten oft Schlafstörungen, Trennungsangst sowie Fremdenangst auf – was die Betreuung durch Babysitter erschweren kann – und der Wortschatz ist noch recht klein.“

„Aber gegen Ende des zweiten Lebensjahres beginnt sich der Wortschatz deutlich zu erweitern, und die Kinder fangen an, mehrere Wörter miteinander zu verbinden“, fügt Sarraf hinzu. „In der Regel geben Eltern etwa im Alter von zwei Jahren und sechs Monaten ein separates Bett, weil Kinder besser schlafen und die Nutzung des Babyphones dadurch oftmals eingestellt wird.“

Mit drei Jahren sprechen Kinder bereits vollständige Sätze, kommunizieren sehr gut, und mit vier Jahren können sie ihre Bedürfnisse klar artikulieren. „Von da an kommt es zu einem erheblichen Wechsel im Verhalten“, berichtet Sarraf. „Denn in diesem Alter sind sie meistens bereits in ihrem eigenen Bett und können selbstständig kommen oder gehen, um bei einem Problem die Eltern zu rufen.“

Natürlich bleibt das eine grobe Richtlinie, und letztlich liegt die Entscheidung bei den Eltern, ob die Schlaf- und Sprachentwicklung ihres Kindes bereits so weit ist, dass sie auf das Babyphone verzichten können. „In unserer Praxis ist es uns wichtig, jedes Kind individuell zu betrachten und den Entwicklungsstand zu respektieren“, betont Sarraf.

Expertin für Erziehung und Entwicklung bestätigt persönliche Entscheidung

Andrea Scalzo Yi, Expertin für Elternschaft und Gründerin des pädagogischen Medienunternehmens Raising Dragons, bestätigt, dass die Entscheidung, wann das Babyphone nicht mehr notwendig ist, sehr persönlich ist.

„Für mich persönlich habe ich das Babyphone nachts mit meinen Kindern ab etwa 18 Monaten abgeschafft“, erzählt Yi, Mutter von vier Jungen im Alter von 7 bis 14 Jahren. „Damals fühlte ich mich sicher genug, dass ich auf jeden Fall aufwache, wenn ich schreie höre, und wollte nicht jede Kleinigkeit im Kinderzimmer ständig mitbekommen.“

Yi, die unter anderem die Bücher 100 einfache STEAM-Aktivitäten und Super einfache Wissenschaftsexperimente für neugierige Kinder geschrieben hat, gesteht, dass sie die Geräte weiterhin für Nickerchen verwendet habe, wenn sie in der Nähe waren, oder gelegentlich eingeschaltet hatte, um die Kinder zu überwachen. „Das vollständige Dauerabschalten während der Nacht haben wir allerdings schon viel früher gemacht.“

Was tun, wenn Eltern selbst schlecht schlafen?

Auch die Schlafqualität der Eltern beeinflusst die Entscheidung maßgeblich. „Nach der Geburt meiner Kinder wurde ich immer empfindlicher gegenüber Geräuschen, und das Babyphone weckte mich ständig“, berichtet Yi. „Als ich es nachts ausschaltete, schlief ich viel ruhiger.“ Sie fügt hinzu: „Ich würde zwar noch aufwachen, wenn das Baby schreit, aber nicht mehr bei jedem kleinen Geräusch.“

Yi betont, dass moderne Technologien zwar ein gewisses Maß an Sicherheit bieten, aber ein dauerhaft laufendes Babyphone den Eltern auch den Schlaf rauben kann.

„Eltern sollten das Babyphone schrittweise abschaffen, sobald sie ein gutes Gefühl für den Schlaf- und Verhaltensrhythmus ihres Kindes haben“, fasst Yi zusammen. Ihre Firma Raising Dragons produziert kurze Videos mit einfachen wissenschaftlichen Experimenten, Lernspielzeugen, kniffligen Mathe-Spielen und kreativen Bastelprojekten, die Kinder beim Lernen und Wachsen unterhalten.

Entwicklungsverzögerte Kinder und weitere Faktoren

Dr. Sarraf, der seit mehr als 20 Jahren in der Branche tätig ist, rät Eltern, bei Unsicherheiten die Meinung eines Kinderarztes einzuholen, bevor sie das Babyphone nachts abschalten.

„Manche Kinder sprechen schon sehr früh, mit anderthalb Jahren, schlafen gut und zeigen viel Unabhängigkeit. Auf der anderen Seite gibt es Kinder mit Autismus oder neurodiversen Kindern, bei denen die Entwicklungszeiten auch deutlich verzögert sein können – das ist mittlerweile etwa bei jedem achten Kind der Fall“, erklärt Sarraf. „Wenn Kinder sich nicht selbst beruhigen können oder Gefahr laufen, sich selbst zu verletzen, sollte man den Einsatz des Babyphones individuell abwägen.“

Auch die Umgebung ist ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung. „Wenn das Kinderzimmer beispielsweise weiter vom Elternschlafzimmer entfernt ist oder in einem großen Haus liegt, kann die Nutzung eines Babyphones ratsam sein“, sagt Sarraf.

Yi teilt diese Ansicht: „Wenn das Kinderzimmer außerhalb des Hörbereichs der Eltern liegt, sollte man eventuell noch länger auf das Babyphone setzen.“

Sind Babyphones für Eltern notwendig?

„Im Allgemeinen neigen Eltern dazu, das Babyphone länger laufen zu lassen, als es eigentlich nötig wäre“, sagt Yi. „Mit meinem ersten Kind war ich viel unsicherer, und das Gerät lief die ganze Nacht. Mit dem vierten Kind fühlte ich mich deutlich sicherer und vertraute mehr auf meine eigenen Fähigkeiten.“

Auch Ängste spielen eine Rolle. „Viele Eltern recherchieren im Internet nach möglichen Problemen mit dem Baby, was sie in eine „Angstspirale“ ziehen kann“, ergänzt Dr. Sarraf. „Das führt oft dazu, dass sie das Babyphone länger in Betrieb lassen, obwohl es eigentlich nicht notwendig wäre.“

Am Ende hängt die Entscheidung, wann man das Babyphone abstellt, stark vom individuellen Wohlbefinden der Eltern und ihrer Einschätzung der Entwicklung des Kindes ab.

Sebastian Krämer

Sebastian Krämer

Ich bin Verbraucherjournalist mit Fokus auf Haushalt, Technik und nachhaltigen Konsum. Bei News und Tipps für Verbraucher teste ich Produkte und schreibe praxisnahe Ratgeber. Ehrlichkeit und Alltagstauglichkeit stehen für mich an erster Stelle.